Bankenfusion : Anfang oder Ende

Der Verkauf der Dresdner Bank sollte der Beginn einer Fusionswelle sein. Doch die droht zu verebben.

Stefan Kaiser

Berlin - Man konnte die Erleichterung fast hören. Kaum war die Dresdner Bank an die Commerzbank verkauft, ließen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ausrichten, wie gut der Zusammenschluss für den Finanzplatz Deutschland sei. Nun, so versicherte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, gebe es endlich eine Perspektive für die Konsolidierung der Bankenbranche.

Doch mit der Konsolidierung, die Politik und Wirtschaft schon seit Jahren fordern, könnte es schnell wieder vorbei sein. Zumindest im Lager der privaten Banken sind die Chancen auf weitere innerdeutsche Fusionen gering. Die Mittelstandsbank IKB und der deutsche Teil der Citibank wurden bereits verkauft – an ausländische Investoren. Einziger verbleibender Verkaufskandidat ist damit die Postbank – und auch die wird wohl bald aus dem Schaufenster genommen. In Finanzkreisen gilt es als wahrscheinlich, dass Post-Chef Frank Appel den Verkaufsprozess in der kommenden Woche stoppt. Offenbar gibt es keinen Bieter, der bereit ist, den geforderten zweistelligen Milliardenbetrag für die Post-Tochter zu zahlen. Die Commerzbank hat nach dem Dresdner-Deal bereits offiziell abgewunken, und auch bei der Deutschen Bank hat man sich in den bisherigen Gesprächen dem Vernehmen nach eher sparsam gegeben. Derzeit erwägt die Deutsche Bank dem „Handelsblatt“ zufolge, nur mit einem Minderheitsanteil von unter 30 Prozent einzusteigen.

In der Politik hat der Verkauf der ehemaligen Staatsbank momentan auch kaum mehr Freunde. „Anders als bei der Dresdner Bank gibt es bei der Postbank keine Notwendigkeit zum Verkauf“, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Otto Bernhardt, dem Tagesspiegel am Sonntag. Er sieht „überhaupt keinen Zeitdruck. Wenn ich Post-Chef wäre, würde ich noch ein paar Jahre abwarten, bis die Bank an der Börse wieder mehr wert ist.“

Auch die Opposition fordert, auf den Verkauf zu verzichten, wenn jetzt nicht genügend Geld dabei herausspringt. „Es darf keinen Verkauf zu jedem Preis geben“, sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, dieser Zeitung. Das Finanzministerium will sich momentan nicht zu dem Thema äußern. Der Bund hält nach wie vor rund 30 Prozent an der Konzernmutter, der Deutschen Post. Er besitzt sogar ein Veto-Recht bei der Entscheidung, an wen die Bank gehen soll – allerdings gilt das nur noch bis Jahresende.

Etwas besser stehen die Chancen auf Fusionen im Lager der Landesbanken. Zwar ist es um die arg von der Finanzkrise gebeutelten Institute wie BayernLB oder WestLB öffentlich zuletzt etwas ruhiger geworden. Doch hinter den Kulissen wird an neuen Zusammenschlüssen gestrickt. Das gilt vor allem für die BayernLB, die mit der größten deutschen Landesbank, der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW), verschmolzen werden soll. Da die Fusion aufgrund der Kräfteverhältnisse wohl zulasten des Standortes München gehen würde, soll offiziell aber erst nach der bayerischen Landtagswahl Ende September verhandelt werden. Dann könnte es jedoch sehr schnell gehen, versichern Beteiligte.

Schwerer absehbar ist dagegen die Zukunft der WestLB in Düsseldorf. Weil das Land Nordrhein-Westfalen und die regionalen Sparkassenverbände der kriselnden Bank Milliardenbelastungen abgenommen haben, hat die EU-Kommission ein Beihilfeverfahren eröffnet und fordert nun einen Eigentümerwechsel bis Jahresende.

Doch das könnte schwierig werden. Denn nach dem Willen des Bank-Vorstandes und der bisherigen Eigentümer soll die WestLB im eigenen, öffentlich-rechtlichen Bankenlager bleiben und nicht an private Investoren verkauft werden. Jedoch findet sich bisher keine andere Landesbank, die mit der WestLB zusammengehen möchte. „Da gibt es derzeit keine Lösung“, heißt es im öffentlich-rechtlichen Lager.

Im Konzern selbst hofft man auf einen Zusammenschluss mit der Deka-Bank in Frankfurt am Main. Der Fondsdienstleister der Sparkassen könnte die Düsseldorfer Landesbank entweder alleine oder im Verbund mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) übernehmen. „Am wahrscheinlichsten ist derzeit, dass es nach Frankfurt geht“, sagt ein WestLB-Manager.

Weitere Fusionen unter den sieben Landesbankkonzernen sind derzeit kaum möglich – auch wenn Bundespolitiker aller Parteien sie vehement fordern. „Da sind Milliarden versenkt worden“, sagt Grünen-Politiker Schick mit Blick auf die hohen Beträge, die einige Banken im Zuge der Finanzkrise verloren haben. „Das muss Konsequenzen haben.“

CDU-Mann Bernhardt will sogar private Investoren in die Landesbanken reinholen – so etwas gibt es bisher nur bei der HSH Nordbank in Hamburg. Bernhardt schlägt einen Plan vor, der gleich zwei Probleme lösen soll: Die WestLB solle sich zunächst einen privaten Investor mit ausreichend Geld ins Boot holen, zum Beispiel eine ausländische Bank. „Dann kauft man die Postbank dazu, und schon hat man eine tolle Bank mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen.“

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