Wirtschaft : Bankenfusion: Berichte über Gespräche zwischen Dresdner und Commerzbank

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Skeptisch wurden am Freitag in Frankfurt Berichte des Handelsblatt und des Wall Street Journal aufgenommen, die Commerzbank und die Dresdner Bank wollten fusionieren. Danach hieß es, die Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen und Bernd Fahrholz hätten sich mehrfach getroffen.

Am heutigen Sonnabend wollten die beiden Bankenchefs erneut über einen Zusammenschluss der beiden Geldhäuser sprechen, wurde weiter kolportiert. An der Börse zog der Kurs beider Aktien daraufhin stärker an, als in den vergangenen Wochen. Sprecher beider Institute lehnten am Freitag einen Kommentar zu den Gerüchten ab. Auch beim Commerzbank-Großaktionär Cobra war am Freitag keine Stellungnahme zu erreichen. Die Allianz, die 21,7 Prozent der Dresdner Bank-Anteile hält, hat angeblich kein Interesse am Aktienpaket von Cobra.

Uwe Foullong, der als Vertreter der Gewerkschaften Handel Banken und Versicherungen im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, hält eine Vollfusion jedoch für unwahrscheinlich. Commerzbank-Chef Kohlhaussen habe immer betont, sein Haus wolle eigenständig bleiben, erklärte Foullong. Eine Fusion sei gegen die bisherige Strategie des Vorstandes. Gespräche mit anderen Banken über Kooperationen, zum Beispiel bei der Abwicklungstätigkeit, hielt Foullong dagegen nicht für ausgeschlossen. Foullong fügte hinzu, die gescheiterte Fusion zwischen Dresdner und Deutscher Bank zeige, dass auch ein Zusammengehen von Dresdner und Commerzbank unsinnig wäre. So könne auch in diesem Falle nicht von einer Ergänzung gesprochen werden.

Aus Branchenkreisen verlautete am Freitag, die Sondierungen befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium. Beide Institute würden sich mit einer möglichen Fusion viel Zeit lassen. Erinnert wurde in diesem Zusammenhang vor allem an das Scheitern der Fusionspläne der Dresdner Bank mit der Deutschen Bank im April. Mit dem Einstieg der Investorengruppe Cobra hat sich für die Commerzbank im April allerdings eine völlig neue Situation ergeben. Nachdem die Commerzbank bis dahin keinen einzigen Großaktionär hatte, kontrolliert die Cobra jetzt rund 17 Prozent der Anteile und will sie, wie Cobra-Chef Hansgeorg Hofmann vor zwei Wochen auf der Commerzbank-Hauptversammlung klar machte, mit möglichst hohem Gewinn weiter verkaufen. Da Hofmann bis Ende 1998 im Vorstand der Dresdner Bank saß ist eine Verbindung zur Nummer zwei des deutschen Bankgewerbes nicht abwegig. Commerzbank-Chef Kohlhaussen steht jedenfalls seit dem Einstieg von Cobra erheblich unter Druck. Zudem kommt die Commerzbank im internationalen und im zukunftsträchtigen Investmentgeschäft nicht richtig voran. Die gegenseitigen, allerdings geringen Überkreuzbeteiligungen mit Bankenhäusern in Spanien, Italien und Österreich haben bislang wenig gebracht.

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