Wirtschaft : Bankenfusion: Schwerer Start für die Genossen

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Die Kosteneinsparungen aus der geplanten Fusion von DG Bank und GZ-Bank kann Uwe Flach zwar beziffern. Spätestens bis zum Jahr 2004 sollen sie mit 300 Millionen Mark jährlich durchschlagen. Flach ist sich auch sicher, dass das neue Institut zusätzlich jedes Jahr einen Ertrag von 100 Millionen Mark bringt. Die Fusionskosten selbst sollen bei einmalig 400 Millionen Mark liegen. Wie viele Arbeitsplätze wegfallen, lässt der stellvertretende Vorstandschef der DG Bank allerdings offen. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern in beiden Häusern seien im Gange. Wie viele der derzeit 14 Vorstandsmitglieder beider Banken im Führungsgremium der neuen DZ Bank AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank sitzen sollen, ist auch noch offen. Flach wünscht sich neun oder zehn. Trotz der vielen offenen Fragen sei man aber voll im Plan. Am 1. September sollen die beiden Banken verschmolzen werden und das neue Spitzeninstitut des genossenschaftlichen Bankensektors bilden.

Flach, der hinter GZ-Bank-Chef Ulrich Brixner zweiter Mann des neuen Instituts werden soll, bekräftigte am Mittwoch auf der letzten Bilanz-Pressekonferenz der DG Bank, dass mit der Fusion die Streitereien im genossenschaftlichen Bankenlager ein Ende haben sollen. Im Mittelpunkt der Geschäfte der DZ Bank werde der Verbund und damit Dienstleistungen für die rund 1700 Volks- und Raiffeisenbanken und mittelständische Firmenkunden stehen.

Das neue Institut soll mit deutlich flacheren Hierarchien arbeiten als die beiden bisher eigenständigen Banken. Angeblich sollen 30 bis 40 Manager ihren Hut nehmen. Am 9. Juli sollen die Vorstandsmitglieder der DZ Bank benannt werden, an diesem Tag soll die Hauptversammlung der DG Bank dem Vorhaben zustimmen, am 16. August soll dies bei der GZ-Bank passieren. Zum 1. September sollen die beiden Institute verschmolzen werden, allerdings rückwirkend zum 1. Januar 2001. Die geschäftlichen Aussichten zumindest für das erste Jahr der DZ Bank sind allerdings nicht überragend. Die DG Bank geht mit der Hypothek einer gewaltigen Risikovorsorge von 1,75 Milliarden Mark für wackelige Immobilien- und Landwirtschaftskredite in die Fusion. Nur durch Sondererträge der Bausparkasse Schwäbisch Hall konnte ein hoher Gewinnzuwachs von 427 Millionen auf 826 Millionen Mark dargestellt werden. 724 Millionen Mark davon stammen aber nicht aus dem Bankgeschäft, sondern von Konzerntöchtern.

Auch im ersten Quartal liefen die Geschäfte der DG Bank alles andere als rund: Das Betriebsergebnis rutschte um 77 Prozent auf rund 49 Millionen Mark ab. Auch bei den Tochtergesellschaften gab es ein Minus von etwa 20 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2000. "Das Jahr 2001 dürfte weiter kaum Platz für große Gewinnsprünge bieten", sagt Flach. Es gebe eher weitere Belastungen, wegen der Börsenflaute, aber auch, weil die Belastungen der Fusion verkraftet werden müssten.

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