Bankengespräche : Conti wirft Schaeffler Einmischung vor

Einige Monate nach der erfolgreichen Übernahmeschlacht um den Autozulieferer Continental macht das Familienunternehmen Schaeffler dem Conti-Management schon wieder zu schaffen: Schaeffler soll bei Gesprächen um Kredite versucht haben, Einfluss auf verschiedene Banken zu nehmen.

Continental
Objekt der Begierde: Der Reifenhersteller Continental. -dpa

Hannover/HerzogenaurachKurz vor der geplanten Übernahme durch Schaeffler hat der Autozulieferer Continental schwere Vorwürfe gegen das fränkische Familienunternehmen erhoben. Schaeffler mische sich in Geschäftsverhandlungen von Conti ein, kritisierte das Unternehmen am Freitag in Hannover. Hintergrund sind Neu-Verhandlungen mit Banken über die milliardenschweren Kredite für die Übernahme der früheren Siemens-Tochter VDO durch Conti. Die Schaeffler-Spitze habe mit einem Schreiben an Banken versucht, Einfluss auf die Gespräche zu nehmen, kritisierte Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann scharf. "Dieser Schritt ist ein massiver Eingriff in die souveräne und unabhängige Geschäftsführung der Continental."

Neumann sagte: "Das Vorgehen der Schaeffler Gruppe hat uns irritiert, weil diese damit unseres Erachtens eindeutig gegen den Geist der gemeinsam erarbeiteten Investoren-Vereinbarung verstößt." Die Intervention erfolge obendrein zu einem Zeitpunkt, an dem eine Freigabe der EU-Kommission für die Übernahme durch Schaeffler noch nicht vorliege.

Aus Bankenkreisen hieß es, Schaeffler habe in den Schreiben an die Banken betont, dass der richtige Zeitpunkt für neue Verhandlungen über die Kredite für den VDO-Kauf erst nach dem Vollzug der Übernahme wäre. Schaeffler habe zudem darauf verwiesen, dass es sinnvoll sei, die Gruppe als künftigen Conti-Großaktionär bei den Beratungen einzubinden. Mögliche Ergänzungen und Modifizierungen der Kreditbedingungen sollten nicht mit dem Übernahmeprozess in Konflikt geraten.

Auto-Krise und schlechte Aussichten

Conti muss die Bedingungen für die milliardenschweren Kredite zur Übernahme der früheren Siemens-Tochter VDO neu verhandeln. Eine Firmensprecherin sagte, die Auto-Krise und die schlechten Aussichten für das kommende Jahr könnten dazu führen, das Conti demnächst die in den Kreditverträgen festgeschriebenen Kennzahlen für die Verschuldung und den Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nicht einhalten könne. Bei einer Neuverhandlung der Kredite rechne Continental mit Mehrkosten. Conti hatte VDO im vergangenen Jahr für rund 11,4 Milliarden Euro gekauft und den Großteil über Kredite finanziert.

Finanzvorstand Alan Hippe sagte, Conti werde die Gespräche mit den Banken wie vorgesehen führen: "Mit unserem proaktiven Vorgehen sichern wir vorausschauend unsere Finanzierung im Hinblick auf die Ungewissheiten bezüglich des Krisenjahrs 2009 weitestgehend ab. Dies wirkt positiv für Continental und liegt gleichzeitig im Interesse aller unserer Aktionäre, insbesondere der Schaeffler Gruppe."

Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach hatte sich im Sommer eine Übernahmeschlacht mit dem Conti-Management geliefert, an deren Ende die Franken die Hannoveraner zu einer umfassenden Zusammenarbeit drängen konnten. Schaeffler hatte aber in einer Investoren-Vereinbarung zugesagt, das Engagement bei Conti innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken.

Garant ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder

Außerdem hatte Schaeffler zugesagt, die bisherige Strategie und Geschäftspolitik des Vorstands unter Beibehaltung des bisherigen Markt- und Markenauftritts zu unterstützen und keine Verkäufe oder sonstige wesentliche Strukturmaßnahmen zu verlangen. Garant für die Einhaltung der Verpflichtungen an der Investorenvereinbarung ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er ist ermächtigt, die Erfüllung der Verpflichtungen von Schaeffler jederzeit gerichtlich und außergerichtlich geltend zu machen.

Der Schaeffler-Gruppe waren bis zum Ende der Annahmefrist Mitte September gut 82 Prozent der Conti-Aktien angedient worden. Die Gruppe sucht nun einen Co-Investor für Conti. Schaeffler hält derzeit bereits rund 20 Prozent an Conti. Die EU-Kommission hat bis zum 19. Dezember Zeit, sich zu der Übernahme zu äußern. Schaeffler betonte am Freitag erneut, die planmäßige Übernahme von Conti sei trotz Finanzkrise und einbrechender Autokonjunktur nicht in Gefahr. Die Finanzierung stehe. (mpr/dpa)

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