Wirtschaft : Bankenkredite ohne Kontrolle

Dieter Fockenbrock

Für die Banken kommt es dick. Ausgerechnet jetzt, wo das deutsche Finanzgewerbe gerade radikal umgekrempelt wird und alle Kräfte für den Umbau benötigt werden, machen immer mehr Traditionsunternehmen Probleme. Mit der Pleitewelle brechen den Geldhäusern die Kredite weg. Das Geld ist teilweise unwiederbringlich verloren, zumindest große Teile des ausgeliehenen Geldes müssen abgeschrieben werden. Ob Holzmann, Herlitz oder Kirch - die Commerzbank und ihre Wettbewerber müssen Risikovorsorge ganz groß schreiben. Das sieht nicht nur unschön in den Bilanzen aus, das schmälert auch den Gewinn. Und der ist ohnehin schon bescheiden.

Ein weiterer Bereich sieht ebenfalls traurig aus: Noch vor zwei Jahren verdienten die Banken klotzig im Investmentbanking. Aktienhandel, das Fusions- und Übernahmegeschäft profitierten vom Internet- und Börsenboom. Investmentbanking war schick, gut fürs Renommee und spülte dicke Gebühren in die Kassen - ein angenehmer Nebeneffekt. Damals interessierte sich keiner für langweilige Firmenkredite, das wenig profitable Privatkundengeschäft oder viel zu hohe Verwaltungskosten. Jetzt ist der Boom vorbei. Was zählt, sind Zahlen.

Doch das klassische Geschäft will gepflegt sein. Und an dieser Pflege scheint es zu hapern. Wie sonst ist es zu erklären, dass die deutschen Banken trotz der engen Verbindungen zu ihren Unternehmen immer wieder auf den letzten Drücker finanzielle Schieflagen bemerken?

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