Wirtschaft : Bankenkrise in Japan weitet sich aus

Apec-Gipfel in Vancouver reagiert auf Finanzturbulenzen in Asien mit demonstrativer Einheit TOKIO/VANCOUVER (ga/HB/AFP/rtr).Die Turbulenzen in der japanischen Kreditwirtschaft setzten sich am Mittwoch fort.Eine weitere Regionalbank brach zusammen.Die Regierung arbeitete fieberhaft an Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems.Gerüchte über weitere strauchelnde Finanzinstitute wie die Long-Term Credit Bank oder Daiwa Securities sorgten an den Kapitalmärkten und bei Anlegern für neue Verunsicherung.Die japanische Regierung rief die Sparer angesichts der vierten Bankenpleite innerhalb eines Monats auf, nicht panikartig ihr Geld abzuheben. Die Long-Term Credit Bank versuchte den Gerüchten mit der Versicherung entgegenzutreten, die Allianz mit dem Schweizerischen Bankverein komme planmäßig voran.Daiwa Securities betonte, die illegalen Praktiken, die zum Zusammenbruch von Yamaichi Securities geführt hatten, seien im eigenen Unternehmen bereits 1992 restlos aufgeklärt und geahndet worden.Das Brokerhaus habe keine Liquiditätsprobleme. Japans Finanzministerium und die Bank of Japan hatten am Mittwoch früh bekanntgegeben, daß die in der nordjapanischen Stadt Sendai beheimatete kleinere Regionalbank, Tokuyo City Bank, zusammengebrochen ist.Der Geschäftsbetrieb des Instituts wird nun von anderen Lokalbanken übernommen.Die seit 1975 an der Tokioter Börse notierte Bank hatte Ende März 1997 eine Bilanzsumme von 793,8 Mrd.Yen, die Einlagen betrugen 639,9 Mrd.Yen.Finanzministerium und Bank of Japan sagten einen vollständigen Schutz der Einleger und Geschäftspartner der Bank zu.Das Institut hat insgesamt 71 Niederlassungen und 1300 Mitarbeiter.Im laufenden Geschäftsjahr wurde ursprünglich ein Verlust von 5,5 Mrd.Yen erwartet.Hauptaktionäre der Bank sind die Fuji Bank, die Industrial Bank of Japan und die Tokai Bank.Maßgeblich für den Zusammenbruch der Bank waren jetzt akute Liquiditätsprobleme nach dem Kollaps der Hokkaido Hokuriku Bank und von Yamaichi Securties.Das Institut hat insgesamt Problemkredite von 59 Mrd.Yen in seinen Büchern. Notenbank-Gouverneur Matsushita erklärte, es handele sich bei der Serie von Zusammenbrüchen von Finanzinstituten immer um Einzelfälle.Von einer Unsicherheit hinsichtlich der Solidität des gesamten Finanzsystems spüre er nichts.Aus der Bank of Japan verlautete allerdings, daß zur Verhinderung von Kettenreaktionen, die auch finanziell solide Institute erfassen könnten, eine ausreichende Versorgung der Finanzmärkte mit Liquidität gewährleistet und erforderlichenfalls auch einzelnen Instituten direkte Kredite gewährt werden sollen.In der Folge kam es am Tokioter Aktienmarkt mit einem Anstieg des Nikkei-Indexes um 1,1 Prozent zu einer Kurserholung. Angesichts der Finanzkrise in Asien haben die Teilnehmer des fünften Gipfeltreffens des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) im kanadischen Vancouver Geschlossenheit und Zuversicht demonstriert.In der Abschlußerklärung bekräftigten die 18 Staats- und Regierungschefs in der Nacht zum Mittwoch ihren Willen, "das Vertrauen wiederherzustellen" und notfalls weitere Hilfe zu leisten.US-Präsident Bill Clinton warnte allerdings vor halbherzigen Gegenmaßnahmen und einem Rückfall in Protektionismus.Ansonsten werde die Krise auf die USA und Kanada übergreifen.Die Gipfelteilnehmer vereinbarten eine beschleunigte Liberalisierung in neun Bereichen und beschlossen den Beitritt von Rußland, Vietnam und Peru im November 1998.In der Abschlußerklärung wurden die Wachstumsperspektiven in Asien als weiterhin "außergewöhnlich groß" eingestuft.Freihandel bleibe der Garant für langfristiges Wachstum.Allerdings dürfe keine Zeit verloren werden, die Finanzmärkte neu zu organisieren, hieß es weiter. Die Gipfelteilnehmer riefen zu verstärkten Liberalisierungsbemühungen bei Handel und Investitionen auf und kamen überein, die Handelsbarrieren in den Schlüsselbereichen Fischerei, Umwelt, Holzwirtschaft, Medizintechnik, Telekommunikation, Energie, Spielzeuge, Schmuck und Chemie rascher abzubauen.Diese Liberalisierung soll 1999 in Kraft treten. Clinton betonte, der Schlüssel zur Lösung der Krise liege in der Hand Japans, das durch seine Budgetpolitik der japanischen Wirtschaft neuen Schwung geben könne.Die japanische Regierung hatte bislang steuerliche Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur stets abgelehnt.Das Weiße Haus kündigte außerdem an, zu einem nicht genannten Termin ein Treffen der Finanzminister aus den am stärksten betroffenen Staaten abzuhalten, um gemeinsame Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Die Börsen in Asien reagierten auf die Erklärungen des Apec-Gipfels nur verhalten.Derlei Beteuerungen hätten viele Politiker schon häufg geäußert, sagte etwa Bill Anderson vom Wertpapierhaus Seamico in Bangkok."Niemand glaubt mehr beruhigenden Worten." Der Börsenindex in Tokio kletterte um 1,1 Prozent, in Seoul stieg der Index zunächst ebenfalls geringfügig.In Malaysia erlitt der Börsenindex allerdings seinen bislang größten Einbruch und fiel zunächst um 3,1 Prozent.Die meisten asiatischen Währungen schlossen gegenüber dem US-Dollar geringfügig höher.

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