Bankenpräsident Fitschen : "Zinsen bleiben noch zwei bis drei Jahre niedrig"

Jürgen Fitschen, seit April Präsident des Bankenverbands, sieht keine baldige Zinswende. Die Bankenunion hält er für richtig, aber es seien noch viele Detailfragen zu klären, sagte er am Dienstag in Berlin.

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Jürgen Fitschen mit bandagierten Händen.
Verbandschef. Fitschen kam bandagiert. Er war beim Joggen gestürzt.Foto: dpa

Jürgen Fitschen ist an diesem Dienstagmittag sichtlich angeschlagen. Unter dem rechten Auge hat er eine Beule, beide Hände sind in weiße Mullbinden verpackt. „Ich gebe Ihnen lieber nicht die Hand“, sagt er zu einem Journalisten. Sobald er auf dem Podium im Sitzungssaal des Bankenverbandes Platz genommen hat, erklärt er: Nein, er sei nicht vermöbelt worden, sondern gestürzt – bei dem Versuch, „sich fit zu halten“.

Während der Pressekonferenz, Fitschens zweiter in seiner Funktion als Präsident des Bankenverbands,  ist er trotz aller Blessuren ganz der Alte. Die Regulierung der Institute, die europäische Bankenunion, die Niedrigzinsphase und der Vertrauensverlust der Branche – das ist sein Terrain. Da braucht der 64-Jährige, im Hauptberuf Co-Chef der Deutschen Bank, kein Redemanuskript. Das spult er ab, als sei es auf Kassette aufgenommen.

Eine Ende der Niedrigzinsphase, sagt Fitschen, sei noch nicht absehbar – „zwei, drei Jahre“ könne das aber schon noch dauern. Solange es in Europa kein nachhaltiges Wachstum gebe, „werden wir weiterhin mit diesen Niedrigzinsen leben müssen“. Langfristig sei es aber wünschenswert, „zu normalen Bedingungen zurückzukommen“ und damit zu Sparzinsen, die nicht von der Inflationsrate aufgefressen werden.

Was die Regulierung der Banken angeht, gibt Fitschen sich diplomatisch. Grundsätzlich, sagt er, sei die Bankenunion eine gute Idee. „Die Richtung stimmt. Aber der Teufel liegt wie so oft im Detail.“

So müsse noch geklärt werden, in welcher Reihenfolge Gläubiger und Anteilseigner künftig einspringen müssen, wenn eine Bank in die Schieflage gerät. Beschlossen haben die EU-Finanzminister bislang nur, dass nicht mehr die Steuerzahler im Fall der Fälle zahlen sollen, sondern alle, die mit der Bank Geschäfte machen. Jetzt, sagt Fitschen, müsse man sich auf die Details einigen.

Angesprochen auf den „Kulturwandel“, den Fitschen als Co-Chef der Deutschen Bank seinem eigenen Haus und als Bankenpräsident der gesamten Branche verordnet hat, sagt er, man müsse erst mal „im stillen Kämmerlein“ beraten, wie der konkret aussehen soll. Immerhin deutet Fitschen vorsichtig an, sein Institut könnte schon „relativ schnell“ mitteilen, was es selbst unter dem Kulturwandel versteht. Womöglich meint Fitschen damit bereits kommenden Dienstag, wenn die Deutsche Bank ihre Quartalszahlen vorlegt.

Als Präsident des Bankenverbands sagt Fitschen dann nur, ein solcher Wandel sei ein langer Prozess, der noch Jahre dauern werde. „Er ist erst abgeschlossen, wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sich auch wirklich etwas verändert hat.“ Die Banken müssten jetzt vor allem die Kunden wieder in den Mittelpunkt stellen.

Gleich zwei Mal wird Fitschen an diesem Mittag bei seinen Ausführungen unterbrochen, zwei Mal klingelt ein Handy – sein eigenes. Das Gerät sei neu, sagt Fitschen und drückt den Anrufer weg. Er habe noch nicht herausgefunden, wie man es lautlos stelle. Die Journalisten schmunzeln. Für einen Moment ist Fitschen nicht Banker, nicht Lobbyist, sondern einfach nur Mensch.

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