Bankenregulierung : Trittin und Jain entdecken Gemeinsamkeiten

Die Grünen und die Deutsche Bank – das erscheint auf den ersten Blick wie ein weites Konfliktfeld. Bei einem Treffen in Frankfurt überraschen sich beide gegenseitig.

von
Einkehr. Die Bank habe weniger Risiken in den Büchern als vor 2008, sagt Jain.
Einkehr. Die Bank habe weniger Risiken in den Büchern als vor 2008, sagt Jain.Foto: dpa

Am Schluss bekam Anshu Jain eine giftgrüne Frisbee-Scheibe. Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen, wollte dies nicht nur als Dankeschön an den Ko-Chef der Deutschen Bank verstanden wissen: Banken sollen Risiken nicht nur auf den Markt werfen, sondern sie auch sicher auffangen können, so die Botschaft.

Die Grünen und die Deutsche Bank – das erscheint auf den ersten Blick wie ein weites Konfliktfeld. Und Jain mag am Dienstag mit gewissem Bauchgrimmen der Einladung von Schick und Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin ins „Haus am Dom“ unter dem Schlagwort „Boring Banking“ („Langweiliges Bankgeschäft“) gefolgt sein. Doch am Ende der Runde wird – für manche der knapp 200 Zuhörer überraschend – klar, dass beide Seiten so weit gar nicht auseinander liegen. „Die Regeln müssen sich ändern“, räumt der 50-jährige Banker unumwunden Fehler ein. Trotzdem muss er sich nicht ein einziges Mal vorhalten lassen, dass er einst zur vermeintlich gefährlichen, auch von den Grünen scharf kritisierten Kaste der Investmentbanker gehört hatte.

Vor der Finanzkrise 2008/09 habe man zu viele Risiken in den Büchern gehabt und zu wenig Kapital, gesteht Jain. Das habe sich aber deutlich geändert, rechnet er den Grünen vor. Inzwischen habe die Deutsche Bank weniger Risiken in den Büchern und vier Mal so viel Kapital wie 2008. Man habe das Vergütungsmodell geändert und 2012 die reale Wirtschaft in Deutschland gestützt: mit Krediten für 60.000 Kleinbetriebe und 300.000 Hypothekendarlehen für private Bauherren. Jain klagt auch nicht über die deutlich verschärfte Regulierung, befürwortet sogar die neuen Eigenkapitalregeln (Basel III), spricht aber auch von einem Wald von Regeln, der durchkämmt werden müsse. „Die einzige Wachstumssparte bei Banken ist derzeit Compliance und Risikokontrolle.“

Jürgen Trittin gilt als Anwärter auf den Finanzministerposten in einer möglichen rot-grünen Bundesregierung.
Jürgen Trittin gilt als Anwärter auf den Finanzministerposten in einer möglichen rot-grünen Bundesregierung.Foto: dpa

Auch die Grünen plädieren für schärfere Regulierung, warnen aber davor, dass sie zu komplex wird. Basel III umfasse mehr als 600 Seiten, in der EU kämen die Regulierungsvorhaben für die Finanzindustrie auf 60.000 Seiten, sagt Trittin, dem im Falle einer Regierungsbeteiligung der Grünen nach der Bundestagswahl Interesse am Amt des Finanzministers nachgesagt wird. „Da wird eine Präzision suggeriert, die unerfüllbar ist – für die Banken selbst, für die Aufseher und die Anteilseigner.“ Bei der Finanzmarktregulierung sei weniger mitunter mehr.

Das weniger, das mehr an Sicherheit verspricht, sehen die Grünen, wie Schick betont, in einer Schuldenbremse für Banken – eine simple Regel, die das Eigenkapital mit den Aktiva und damit den Risiken einer Bank direkt ins Verhältnis setzt. Bei drei Prozent soll sie zunächst liegen, langfristig aber steigen. Vor allem auf diesem Weg wollen die Grünen verhindern, dass Banken in Zukunft in Schieflage geraten und dem Steuerzahler zur Last fallen.

Jain widerspricht da nicht grundsätzlich. „Ich bin überrascht über viele Punkte, in denen zwischen uns Übereinstimmung herrscht.“ Die Differenzen liegen im Detail. Statt einer allgemeinen Schuldenbremse will er, dass je nach Finanzprodukt und Risiko unterschieden werde. Deshalb brauche es noch Zeit, bis eine abschließende Regulierung unter Dach und Fach sei. Gewisse Zweifel bei den Grünen bleiben trotz der freundlichen Worte – auch weil sie den Risikomodellen der Banken noch nicht wirklich trauen. „Es ist sinnvoll, Modelle zu haben, die den Flug des Frisbees immer besser vorher sagen können. Am Ende aber kommt es darauf an, dass der Frisbee gefangen wird“, sagt Trittin. Und Jain mag mit seinen Kindern üben, wie gut er die Scheibe nicht nur werfen, sondern auch fangen kann.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben