Bankenskandal : Société Générale hatte Glück

Der milliardenschwere Spekulationsverlust bei der französischen Bank Société Générale wäre noch um 1,4 Milliarden Euro höher ausgefallen, wenn der Skandalhändler Ende 2007 nicht einen großen Gewinn gemacht hätte.

ParisNach einer durchgearbeiteten Nacht habe der Krisenstab der Bank am Sonntag vor zwei Wochen festgestellt, dass der Händler Jérôme Kerviel durch seine waghalsigen Spekulationen im Dezember einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro gemacht habe, sagte ein Bankmanager der Zeitung "Le Monde". Später habe dann festgestanden, dass Kerviel mit anderen Milliardengeschäften einen Verlust von 6,3 Milliarden Euro eingefahren habe. Abzüglich des Gewinns blieben davon rund 4,9 Milliarden Euro übrig.

Die anwesenden Händler hätten geweint, als ihnen an jenem Wochenende das Ausmaß der Katastrophe bewusst geworden sei, sagte der Manager der Zeitung. "Uns war klar, dass wir dem größten Betrugsfall der Geschichte gegenüberstehen." Kerviel habe es verstanden, sich mit den Kollegen gutzustellen, die ihn kontrollieren sollten: "Er hat ihnen E-Mails geschrieben und von seinem Urlaub erzählt." Einmal sei er bankintern sogar zum "nettesten Händler" gewählt worden.

Die Polizei teilte unterdessen mit, Kerviel werde rund um die Uhr bewacht. Der Polizeischutz erfolge auf Bitten des Finanzministeriums, hieß es. Dem 31-Jährigen drohen drei Jahre Haft, er war aber vergangene Woche nach der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens auf freien Fuß gesetzt worden. Er musste dazu seinen Reisepass abgeben, um eine Flucht zu verhindern. Kerviels Anwältin hatte gesagt, der junge Händler sei von dem weltweiten Medieninteresse an der Affäre "vollkommen erschlagen". (dm/AFP)

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