Wirtschaft : Bankenverband muss Institut retten

Düsseldorfer Hypothekenbank soll verkauft werden

Stefan Kaiser

Berlin - Die internationale Finanzkrise hat eine weitere deutsche Bank in Schwierigkeiten gebracht. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) musste als Retter für die angeschlagene Düsseldorfer Hypothekenbank einspringen. Der Verband teilte am Montagabend in Berlin mit, die Bank werde vorübergehend auf den Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes übertragen. Dazu hätten sich die Eigentümer der Bank entschlossen. Mit dem Schritt würden „die Schwierigkeiten überwunden, in die das Institut in dem jetzigen angespannten Marktumfeld geraten“ sei. Die Bank solle „in einem geordneten Verfahren“ einem neuen Eigentümer zugeführt werden.

Die Finanzkrise hatte den Gewinn der Düsseldorfer Bank 2007 fast komplett aufgezehrt. Mit einem Strategiewechsel wollte sie sich stärker von der Entwicklung an den Kapitalmärkte abkoppeln. Doch dieser Schritt kam offenbar zu spät. Nach der Mittelstandsbank IKB und der Landesbank WestLB ist die Düsseldorfer Hypothekenbank bereits das dritte Institut aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, dass im Zuge der Finanzkrise in eine existenzbedrohende Situation gerät. Weitere Fälle waren die SachsenLB in Dresden und die kleine Weserbank in Bremerhaven, die vor zwei Wochen geschlossen wurde.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Bundesbank, die gemeinsam für die Bankenaufsicht in Deutschland zuständig sind, waren nach Angaben des Bankenverbandes und der Bafin über die Rettung der Düsseldorfer Hypothekenbank informiert. Zu der Frage, ob die Bafin mit einer Schließung der Bank gedroht habe, wenn diese nicht gerettet werde, wollte sich eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage nicht äußern. „Wir weisen immer auf Konsequenzen hin“, sagte sie lediglich. Der Bankenverband teilte mit, „bankaufsichtliches Handeln“ sei nicht nötig gewesen. Die Bank selbst war am Montagabend nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. Sie informierte lediglich knapp auf ihrer Internetseite über den Vorgang.

Die Düsseldorfer Hypothekenbank gehört mit einer Bilanzsumme von knapp 27 Milliarden Euro zu den 50 größten Banken in Deutschland. Sie ist überwiegend als Staatsfinanzierer tätig, vergibt also Kredite an Staaten, regionale Gebietskörperschaften wie Bundesländer oder Kommunen sowie an öffentlich- rechtliche Kreditinstitute. Als zweites Standbein betreibt die Bank seit einigen Jahren ein Immobilienfinanzierungsgeschäft, allerdings nur mit großen, so genannten institutionellen Kunden und nicht als Baufinanzierer für Privatkunden. Um die Kreditvergabe gegenzufinanzieren begibt die Bank Pfandbriefe. Im Zuge der Finanzkrise musste sie den Käufern dieser Papiere immer höhere Zinsen zahlen – als Risikoaufschlag. Hinzu kam, dass die Bank im Handel mit Wertpapieren schon im vergangenen Jahr Millionenverluste einfuhr, weil die Papiere im Zuge der Finanzkrise dramatisch an Wert verloren hatten. Zweitklassige US-Hypothekenpapiere (Subprime) besaß die Bank aber offenbar keine. Dennoch hatte der Eigentümer, die Schüppli-Gruppe, in den vergangenen Monaten bereits insgesamt 150 Millionen Euro frisches Kapital nachschießen müssen. Stefan Kaiser

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