Banker Fitschen und Politiker Schick : Wenn zwei sich streiten

Grünen-Politiker Gerhard Schick stellt ein Buch vor - und lädt den ein, den er kritisiert: Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank.

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Fitschen übt Selbstkritik.
Fitschen übt Selbstkritik.Foto: AFP

Jürgen Fitschen ist ein Kämpfer, seine Waffe ist die Rhetorik. Fordert ihn der Gegner heraus, zieht er ins Duell.

So kommt es, dass der Co-Chef der Deutschen Bank am Donnerstag auf dem Podium im Deutschen Theater in Berlin Platz nimmt. Ihm gegenüber sitzt Gerhard Schick, einer seiner ärgsten Kritiker. Der Grünen-Politiker hat ein Buch geschrieben, das er an diesem Morgen vorstellt. „Machtwirtschaft – Nein Danke!“ steht in schwarz-roten Lettern auf dem Cover. Schick sagt, es sei eine „Kampfansage an Großunternehmen und ihre Macht“. Es ist eine Macht, die kaum jemand so sehr verkörpert wie Fitschen.

Der Bankchef nimmt seinen Gegenspieler ernst. Wenn Schick spricht, legt Fitschen nachdenklich die Hand ans Kinn. Schick sagt, wir bräuchten „kleinteiligere Strukturen im Bankensektor“. Mit den Banken sei das in etwa so wie mit der Atomkraft. Die Risiken seien so groß, dass die Konzerne sie nicht alleine tragen könnten und in der Vergangenheit immer wieder die Gesellschaft einspringen musste. „Wir müssen die Systemrisiken in den Banken so runterfahren, dass die Eigentümer sie wieder alleine tragen können“, fordert Schick.

Fitschen könnte jetzt angreifen, sich rechtfertigen, seine Branche verteidigen. Stattdessen übt er Selbstkritik. „Es mag sein, dass das Renditedenken mal alles überschattet hat.“ Aber die Banken hätten dazugelernt. Dann schlägt Fitschen sich auf Schicks Seite. „Eine Bank muss pleite gehen können“, sagt er. „Der Staat darf nie wieder durch Steuergelder reingezogen werden.“ Schicks Buch, sagt Fitschen, habe er gerne gelesen. „Es regt zum Nachdenken an.“ Nur eine Stelle gefiel ihm gar nicht: die, an der Schick dem Leser rät, lieber zur sozial-ökologischen GLSBank statt zur Deutschen Bank zu gehen. „Ich weiß nicht, was das soll“, sagt Fitschen.

Am Ende geben sich der Banker und sein Kritiker die Hand. Sie lächeln – und verlassen beide gefühlt als Sieger den Saal.

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