Wirtschaft : Bankertipp: Das billige Öl und hohe Liquidität stützen die Märkte

Gebannt warten viele Börsianer jede Woche auf die neuen Konjunktursignale aus den Vereinigten Staaten. Doch die Hoffnung, dass die US-Konjunktur ihre Talsohle erreicht habe, wurde auch letzte Woche mit der Bekanntgabe des Verbrauchervertauens enttäuscht. Dieser Index fiel auf den niedrigsten Stand seit Anfang 1994. Die Börsianer jedoch reagierten sehr entspannt. Die Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsproduktes für das dritte Quartal 2001 führte, unterstützt von einigen positiven Unternehmensdaten, wieder zu einem Anstieg vieler Kurse. Optimisten sehen sich nun bestätigt, denn die Sorge vor einem starken Einbruch der amerikanischen Konjunktur scheint unbegründet zu sein und die Stimmung an den Börsen wird wieder freundlicher.

Dieser Ansicht waren wir etwas zu voreilig, wie sich herausstellte, auch schon im März diesen Jahres gewesen, als wir an dieser Stelle einen deutlichen Dax-Anstieg bis zum Jahresende prognostizierten. Die Erholung der US-Wirtschaft lässt länger auf sich warten, als das vor einigen Monaten noch erhofft und gesehen wurde. So haben die Attentate vom 11. September die amerikanische Wirtschaft zwar in einer ohnehin schon labilen Lage getroffen, doch viele Unternehmen nutzten die Verunsicherung nach den Anschlägen, um ohnehin notwendige Spar- und Strukturmaßnahmen umzusetzen. Mit einer weiteren Welle von schlechten Meldungen ist nun wohl vorerst nicht mehr zu rechnen. Die Commerzbank geht inzwischen von einer Erholung der amerikanischen als auch von der europäischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2002 aus.

Die schwache Konjunkturentwicklung sollte auf den in dieser Woche stattfindenden Notenbanksitzungen der FED, EZB und der Bank von England zu Zinssenkungen führen, zumal sich auch die EZB den schlechten Zahlen aus der Eurozone nicht mehr verschließen kann. Die Rezessionstendenzen haben aber auch einen positiven Nebeneffekt, und zwar den sinkenden÷Ölpreis. Der Ölpreis ist in New York erstmals seit zwei Jahren unter 20 Dollar gefallen und notiert aktuell um 19 Dollar. Die nach wie vor gehaltene hohe Liquiditätbietet den Märkten eine gute Stütze und sollte temporär immer wieder für zusätzliche Dynamik sorgen. Auch die Charttechnik spricht für eine weitere Erholung an den Märkten. Wenn zum Beispiel der Widerstand im Dax bei etwa 4800 Punkten überwunden wird, eröffnet sich weiteres Kurspotenzial bis zu 5300 Punkten. Angesichts der vielfach günstigen Bewertungen empfiehlt die Commerzbank Positionen vor allem in deutschen Blue Chips wie unter anderem Deutsche Telekom, DaimlerChrysler, Siemens und Allianz aufzubauen. In Amerika empfehlen wir die Aktien von IBM, die sich im Rahmen der 18 monatigen Baisse gut behaupten konnten, und aus dem Internetmarkt die Aktien von AOL Time Warner.

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