Wirtschaft : Bankertipp: Durchhalten lohnt sich, wenn die Qualität stimmt

Thomas Kurze

Derzeit zeigen sich viele prominente Unternehmenslenker und Ökonomen wenig überzeugt von den Wachstumsprognosen der G 7-Staaten. Die Erfahrung zeigt, dass die offiziellen Prognosen fast immer zu optimistisch waren - in jedem Jahr. Daraus Rückschlüsse für die Aktienmärkte zu ziehen wäre allerdings falsch, denn die Investoren orientieren sich nicht an Prognosen, sondern am Datenfluss. Dieser deutet momentan tatsächlich auf rezessive Tendenzen in den USA hin, wird jedoch auch die Federal Reserve - und später die Europäische Zentralbank - zu weiteren Zinssenkungen animieren, die wiederum positiv auf die Liquidität an den Märkten wirken.

Mit zunehmendem Geldumlauf und günstigeren Krediten lässt sich Wachstum leichter finanzieren, die Konsumnachfrage wird angekurbelt. Diese Effekte werden sich aus meiner Sicht zur Jahresmitte in den Wirtschaftsdaten niederschlagen. Aber schon zuvor werden die Aktienmärkte das Ende der Konjunkturabkühlung antizipieren und den langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen. Ich halte an meiner Strategie fest und investiere in Marktführer mit vernünftigen Bewertungszahlen.

Im Finanzsektor, der besonders von den zu erwartenden Zinsschritten profitieren sollte, ist die Deutsche Bank schon sehr gut gelaufen, während die Allianz meine Erwartungen bislang nicht erfüllt hat. Beide Papiere gehören zu den Basisinvestments meines Depots und sollten im Laufe der nächsten Monate deutlich zulegen können. Gerade bei der Allianz-Aktie bieten sich Kurse zwischen 350 und 380 Euro zur Bestandsaufstockung an. Bei den Wachstumswerten ist noch keine klare Tendenz zu erkennen. So litt Singulus unter der Enttäuschung vieler Investoren nach der Bekanntgabe vorsichtigerer Prognosen. Das hat nichts mit der Qualität des Herstellers von Produktionsanlagen für DVDs zu tun, sondern zeigt lediglich, dass Investitionen vorübergehend langsamer vorgenommen werden. Dass sich Qualität auf Dauer durchsetzt, zeigt sich am Beispiel Thyssen-Krupp, die ich im vergangenen Mai empfahl. Nach einigen Monaten der Underperformance gehörte Europas größtes Stahlunternehmen in den letzten Wochen zu den Gewinnern und notiert nun über dem damaligen Empfehlungskurs von 19,30 Euro.

Durchhalten lohnt sich also, wenn die Qualität stimmt. Neue Investments konzentriere ich weiter auf den Euroraum. Nachdem Nokia die Absatzerwartungen für Handys reduziert hat, sehe ich bessere Chancen für diversifizierte Technologieunternehmen wie Philips, die ich Ihnen zuletzt im August empfahl. Am 8. Februar werden die Niederländer ihren Jahresbericht vorlegen. Dieser sollte die Aufmerksamkeit auf die aus meiner Sicht zu niedrige Bewertung lenken. Kurse um 60 Euro halte ich angesichts der Gewinnschätzungen und Qualität des Managements für angemessen.

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