Bankgebühren : Automatisch teuer

Kleine Beträge, großer Gewinn: Wie Banken mit Gebühren dazuverdienen.

von und Angie Pohlers
Unerwartet. Nicht nur am Automaten, auch bei der Kontoführung und für Zahlungen können zusätzliche Kosten anfallen.
Unerwartet. Nicht nur am Automaten, auch bei der Kontoführung und für Zahlungen können zusätzliche Kosten anfallen.Foto: dpa

Die deutschen Banken stehen unter Druck – vor allem im Privatkundengeschäft. Weil mehr Kunden Onlinebanking nutzen, rechnen sich die Filialen weniger. Gleichzeitig wollen oder können viele Institute auf die Kunden nicht verzichten. Neu sind die Probleme nicht, nur fielen sie vor Ausbruch der Finanzkrise nicht so auf, weil sie mit hohen Gewinnen im Investmentbanking kaschiert wurden. Außerdem spüren die Banken nun schon seit Längerem die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank: Je niedriger die Zinsen, desto schwieriger ist es für die Institute, mit dem klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft Geld zu verdienen.

Entsprechend ist es wenig verwunderlich, wenn Banken versuchen, auf andere Weise Geld einzunehmen – zum Beispiel mit hohen Gebühren. Dabei ist es oft schwer nachzuvollziehen, wofür Banken überhaupt Extra-Kosten in Rechnung stellen dürfen und wofür nicht.

KONTOBEWEGUNGEN

Derzeit streiten sich Verbraucherschützer und Banker um die Frage, für welche Kontobewegungen die Institute Gebühren verlangen können. Entscheiden wird darüber kommende Woche der Bundesgerichtshof. Geklagt hat die Schutzgemeinschaft für Bankkunden (SfB) gegen die Vereinigten Raiffeisenbanken Gräfenberg Forchheim in Bayern. Sie verlangt von ihren Kunden für jede Barein- und Barauszahlung 35 Cent. Die Bank selbst argumentiert, dass es eine Dienstleistung sei, für die sie durchaus Geld verlangen darf – das Institut beruft sich auf die EU-Zahlungsrichtlinie. Auch der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hält die Gebühr für zulässig.

Die Verbraucherschützer sehen das anders und fordern, dass solche Leistungen über die allgemeine Kontoführungsgebühr abgegolten werden. Geht das Urteil in diesem Sinne aus, dürfte es Signalwirkung haben. Denn manche Banken verlangen zum Beispiel auch für Daueraufträge oder Überweisungen ein Entgelt.

SfB-Chef Jörg Schädtler ärgert sich aktuell noch über einen anderen Fall, der die sogenannten Berichte an den Kunden betrifft – etwa bei nicht ausreichender Deckung des Kontos. „Die Erfurter Bank verlangt dafür 25 Euro. Das ist happig.“

KONTOFÜHRUNG

Um Neukunden zu werben, bieten manche Institute „kostenlose Girokonten“ an. Allerdings ist längst nicht jedes Konto, das so angepriesen wird, auch wirklich frei von Gebühren. Daher lohnt der Blick ins Kleingedruckte. So kann es zum Beispiel sein, dass es extra kostet, wenn der Kunde eine Überweisung in Papierform abgibt. Manche Institute locken auch mit einer bestimmten Zahl von FreiÜberweisungen und kassieren ordentlich ab, sobald diese überschritten sind.

Die Stiftung Warentest hat zuletzt 176 Konten von 91 Banken untersucht. Nur 30 davon waren tatsächlich kostenlos. Bei weiteren 38 Konten war die Kontoführung nur für solche Kunden kostenfrei, die bestimmte Bedingungen wie etwa einen monatlichen Mindesteingang erfüllen. Solche Schwellen gibt es auch bei Konten, die pauschal etwas kosten.

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