Wirtschaft : Bankgebühren sollen EU-Bürger nicht abschrecken

JOACHIM HOFER

Der Euro-Umtausch ist nicht zum Nulltarif zu habenVON JOACHIM HOFERVor einem haben die Brüsseler EU-Bürokraten große Angst: Daß den Bürgern die Lust am Euro durch die Kosten der Umstellung gleich wieder vergeht."Alles was obligatorisch ist, muß kostenlos sein", betont der zuständige EU-Kommissar Yves-Thilbaut de Silguy deshalb, ohne sich jedoch festlegen zu wollen, was denn alles dazu zählt.Der Wegfall des Wechselkursrisikos müsse für den Bürger beim Tausch der Währungen sichtbar werden, betont de Silguy.Sein Kommissionskollege Monti stößt ins gleiche Horn: "Wir gehen davon aus, daß die Umstellung durch die Banken gebührenfrei erfolgt." Demnächst werde die Kommisson dazu eine Empfehlung herausgeben, in welchen Bereichen Gebühren angebracht sind.Ein Beispiel nannte Monti schon: Wer zukünftig Geld ins Ausland überweist, sollte dafür nicht mehr bezahlen müssen als für eine Transaktion im Inland.Die Kommission geht ferner davon aus, daß die Umstellung von Konten von der nationalen Währung auf den Euro unentgeltlich erfolgt.Für Bankkunden sollte auch der Umtausch "haushaltsüblicher" Beträge in Euro kostenlos sein.Was bei größeren Beträgen geschieht, ist freilich noch völlig offen - ebenso wie die Frage, ob in Deutschland der Umtausch von anderen EU-Währungen in Euro gebührenfrei erfolgen soll.Die europäischen Bankenverbände versprechen derweil größtmögliche Transparenz: Durch den Euro sollen die Gebühren zumindest nicht steigen.Wenn im Zuge der Umstellung eine Dienstleistung kostenpflichtig ist, dann soll dies gesondert ausgewiesen werden.Und noch etwas: Die Buchgeldumstellung soll größtenteils frei sein.Für die Lagerhaltung in alter und neuer Währung aber müsse die Bank etwas verlangen dürfen, fordern die Verbände.Die Verbrauchervereinigungen in Brüssel machen derweil Druck: Sie drängen auf eine verbindliche Regelung, die sicherstellt, daß die Verbraucher bei der Umstellung nicht zur Kasse gebeten werden."Es muß klar sein, wer für die Kosten aufkommt, die bei der Umstellung entstehen", sagt etwa der Bankkundenverband am Sitz der Europäischen Kommission.Manfred Westphal von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände warnt vor Gebühren aus psychologischen Gründen.Die Banken seien der erste Berührungspunkt mit der neuen Währung, deshalb würde von Gebühren ein falsches Signal ausgehen.Pflichtleistungen müßten auf jeden Fall für die Kunden frei sein.Westphal warnt vor zu vielen Schlupflöchern für die Banken.Eine Selbstverpflichtung sei nur dann erfolgreich, wenn sie schnell komme und Sanktionen für den Fall der Nichtbeachtung enthielte.Auf keinen Fall zur Kasse gebeten werden dürften die, die ihr Bargeld umtauschen wollen und kein Konto haben.Vor manchen Gebühren sind die Bankkunden geschützt: So sind Entgelte für die Umrechnung von Zahlungseingängen und für die Umstellung eines Kontos in der Endphase, das heißt im Jahr 2002, nicht zulässig.In der Übergangszeit, also vom 1.Januar 1999 bis 1.Januar 2002, ist eine einmalige Zahlung für die Kontenumstellung hingegen sehr wohl möglich.Nach Ansicht der Sachverständigengruppe der EU-Kommission zur Euro-Umstellung wird die Umstellung der Hypothekarverträge in Deutschland unentgeltlich sein.Bei der Umstellung der Wertpapierdepots seien Gebühren zumindest unwahrscheinlich.In die Tasche greifen müssen die Deutschen auf jeden Fall, wenn sie Banknoten und Münzen nach Ablauf der Umstellungsphase - also spätestens am 30.Juni 2002, am Schalter umtauschen wollen.Trotz aller offener Fragen steht eines fest: Zahlreiche nationale Unterschiede werden zu verschiedenen Verfahren in den einzelnen Ländern führen.Und noch etwas: Die Gebühren bei der Euro-Umstellung könnten rasch zu einem Wettbewerbsfaktor werden.Wer weniger verlangt, hat unter Umständen Vorteile bei den Kunden, die die Einführung der neuen Währung gleich für einen Kontowechsel nutzen.

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