Bankgeheimnis : UBS-Kunden ziehen Milliarden ab

Weil das Schweizer Bankgeheimnis bröckelt, taumelt die größte Bank des Landes noch tiefer in die Krise.

Jan Dirk Herbermann

GenfGenf - Oswald Grübel fackelt nie lange. Der Konzernchef der taumelnden Schweizer Großbank UBS, der erst vor wenigen Wochen aus dem Ruhestand auf den höchsten Finanzposten des Landes gerückt war, gab am Mittwoch mal wieder eine Kostprobe seines so unschweizerischen Charakters. „Leider kann ich Ihnen noch keine erfreulichen Nachrichten überbringen“, eröffnete der 65-Jährige den UBS-Aktionären bei der Hauptversammlung, „sondern muss Ihnen weitere schlechte Zahlen und einschneidende Maßnahmen zumuten.“ Dann legte Grübel los. Die UBS, von der Finanzkrise hart getroffen, schreibt im ersten Quartal 2009 erneut rote Zahlen in Höhe von knapp zwei Milliarden Schweizer Franken (1,3 Milliarden Euro), streicht 8700 Jobs und muss eingestehen, dass die Kunden massiv Gelder abziehen: Unter dem Strich verlor die UBS in den ersten drei Monaten 2009 rund 23 Milliarden Franken Kundenvermögen. „Der anhaltende Abfluss enttäuscht“, urteilte der Analyst Peter Thorne vom Brokerhaus Helvea in London.

Als einen Grund für den massiven Vertrauensniedergang gab die Bank die Steuer-Affäre in den USA an: Die US-Behörden hatten die UBS gezwungen, die Daten von 250 Kunden herauszugeben, weil die Schweizer Bank ihrer amerikanischen Klientel geholfen hatte, mehrere Milliarden US-Dollar am Fiskus vorbeizuschleusen. Seitdem gilt das Schweizer Bankgeheimnis als stark gefährdet.

Das Traditionshaus UBS symbolisierte bis zum Beginn der Finanzkrise die Potenz des Schweizer Finanzplatzes: Ein Konzern, der sich rühmte, der größte Vermögensverwalter der Welt zu sein. Jetzt ist der Glanz verblichen. Bereits 2008 hatte die Bank fast 21 Milliarden Franken (rund 14,2 Milliarden Euro) verloren und rund 5800 Stellen abgebaut. Der Staat sprang mit einem Rettungspaket ein und übernahm faule Wertpapiere für rund 62 Milliarden Franken.

Bis Ende nächsten Jahres muss die UBS bis zu vier Milliarden Franken einsparen. Vor allem die Beschäftigten werden dies zu spüren bekommen. So soll die Zahl der UBS-Mitarbeiter von derzeit 76 200 bis Ende 2010 auf 67 500 sinken. Damit streicht die Bank noch mehr Stellen, als ursprünglich geplant. Neben der „natürlichen Fluktuation“ kommt die UBS dabei auch nicht um Entlassungen herum.

Die Maßnahme macht deutlich, wie schlecht es um die UBS steht. Früher galt eine Anstellung bei der größten Schweizer Bank als krisenresistent, lukrativ und prestigeträchtig. Nun bezahlen die Mitarbeiter „einen hohen und bitteren Preis für die Fehler der früheren Konzernspitze“, kritisiert der Angestelltenverband KV Schweiz. Denn auch die, die bleiben dürfen, müssen kürzer treten. Die Bank werde „gewisse Gehaltsnebenleistungen für unsere Mitarbeiter und insbesondere für das Management aufgeben“, sagte Konzernchef Grübel. So muss die Führungsebene auf Zuschüsse für Leasingautos und Bahnreisen verzichten. Bei Dienstjubiläen können die UBS-Mitarbeiter nicht mehr mit Bargeld rechnen. Zudem will die UBS-Spitze den Rotstift im Investmentbanking ansetzen. „Die Stoßrichtung ist richtig“, kommentierte Analyst Rainer Skierka von der Bank Sarasin. „Die Maßnahmen werden aber nicht von heute auf morgen umgesetzt, sie dauern bis 2010.“

An der Börse kamen die Nachrichten von der UBS schlecht an. Nach den Milliardengewinnen der US-Banken Goldman Sachs und Wells Fargo hatten viele Anleger auf ein schnelles Ende der Finanzkrise gehofft. Die Zahlen der UBS zeigen, dass diese Hoffnung wohl etwas voreilig war. Der Kurs der UBS-Aktie an der Schweizer Börse fiel fast sieben Prozent. Auch die Aktien deutscher Banken gaben kräftig nach.

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