Bankgeschäft : Der lange Marsch des Kunden

Größere Finanzcenter statt Filialen an jeder Ecke: Das ist ein Trend – nicht nur bei der Berliner Volksbank.

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Findet nicht genug gute Azubis. Holger Hatje, Chef der Berliner Volksbank.
Findet nicht genug gute Azubis. Holger Hatje, Chef der Berliner Volksbank.Foto: dpa

Berlin - In Alt-Treptow gibt es seit dem vergangen Jahr keine Filiale der Berliner Volksbank mehr. Auch der Standort im Ostbahnhof wird demnächst aufgegeben. Insgesamt hat die Berliner Volksbank im Jahr 2010 die Schließung von fünf Filialen beschlossen. „Wir überprüfen unsere Standorte jedes Jahr. Wenn sie sich nicht mehr rentieren, weil zu wenig Kunden kommen, schließen wir sie“, erklärte Holger Hatje bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Berlin.

Einfache Bankgeschäfte wie Überweisungen müssen die Kunden aus Alt-Treptow jetzt am Automaten erledigen, oder im Internet. Wenn sie sich für komplexere Fragen interessieren, werden sie an den Hermannplatz in Neukölln weitergeleitet. Die dortige Filiale ist im vergangenen Jahr zum Finanzcenter umgebaut worden. Hier bündelt die Berliner Volksbank Experten für Vermögensberatung oder Baufinanzierung, sowie die Firmenkundenberater. 21 solcher Center sind seit Ende 2009 an zentralen Punkten in der ganzen Stadt entstanden.

Damit folgt die Berliner Volksbank einem Trend im Bankgeschäft. „Die Banken schließen immer mehr Filialen, weil die Kunden einfache Dienstleistungen verstärkt im Internet in Anspruch nehmen“, sagt Gunnar Lang, Finanzexperte beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Das heiße aber nicht, dass sie bei der Beratung sparten, im Gegenteil: „Die Berater werden immer häufiger in spezialisierten Standorten gebündelt, etwa für vermögende Privatkunden oder für komplexe Finanzdienstleistungen“, sagt Lang. Schließlich brauche nicht jede kleine Filiale einen Baufinanzierungsexperten. Auch die Berliner Sparkasse hat im vergangenen Jahr damit begonnen, Filialen zu sogenannten Kompetenzcentern auszubauen. Andere werden dafür verkleinert oder geschlossen.

Dass die Kunden die Filialen längst nicht mehr für jedes Anliegen besuchen, zeigen wiederum die Zahlen der Berliner Volksbank: 70 000 Kunden überprüfen täglich ihren Kontostand im Internet, führen Überweisungen aus, oder handeln mit Wertpapieren. 70 Prozent der Überweisungen laufen inzwischen über das Internet. Seit Beginn dieses Jahres lassen sich auch Produkte wie Kreditkarten online abschließen. Seit drei Monaten kommuniziert die Bank zudem in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter mit ihren Kunden.

Vorstandschef Hatje bestreitet, dass die Bank Filialen streicht, um Mitarbeiter abzubauen. Gleichwohl ist deren Anzahl 2010 um 80 auf 2230 gefallen. Die meisten seien in Rente oder Altersteilzeit gegangen, erklärt Hatje. Auch die Zahl der Auszubildenden hat sich im vergangenen Jahr um knapp 30 auf 134 verringert. Laut Hatje liegt dies daran, dass die Bank nicht mehr genügend gute junge Leute findet. Die Anzahl der Bewerbungen habe sich zwar erhöht, „aber wir haben weniger qualifizierte Bewerber“, sagte der Volksbank-Chef.

Insgesamt konnte die Bank ihren Verwaltungsaufwand, zu dem auch die Personalkosten gehören, um mehr zwei Millionen Euro senken. Das operative Ergebnis stieg deutlich um 55 Prozent auf insgesamt 70,7 Millionen Euro, obwohl die Zahl der Kunden um 10 000 auf 632 000 zurückging. Man konzentriere sich weniger auf die Gewinnung von Neukunden als auf die Intensivierung des Geschäfts mit den Bestandskunden, erklärte Hatje. Die Berliner Volksbank hat in der Stadt bei den Privatkunden einen Marktanteil von zwölf Prozent. Damit liegt sie auf dem dritten Platz nach der Sparkasse (fast 50 Prozent) und der Deutschen Bank mit Berliner Bank und Postbank. bei den Firmenkunden sind es 27 Prozent.

Nach Bildung der Vorsorgereserven und nach Steuern bleibt nur noch ein Jahresgewinn von 12,2 Millionen Euro, genau wie 2010. Davon will die Volksbank wie schon im letzten Jahr vier Prozent Dividende an ihre Anteilseigner ausschütten. Im Ergebnis bemerkbar machten sich auch die Kosten, die durch neue gesetzliche Regelungen entstanden sind. So müssen die Banken  künftig mehr eigenes Kapital vorhalten, wenn sie Risikeneingehen. Auch die Beiträge für die Einlagensicherung haben sich erhöht. Hinzu kommen neue Vorschriften im Bereich Verbraucherschutz. Bisher, sagte Hatje, habe die Bank drei Millionen Euro für solche Neuerungen ausgegeben. Insgesamt könnten es 6,8 Millionen Euro werden. Der Vorstandschef appellierte an die Politik „jetzt mal Maß zu halten und auf die abzuzielen, die für die Krise verantwortlich sind“.

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