Wirtschaft : Bankgesellen liebäugeln mit französischer Botschaft

Vorstand will unter die Linden / Nach Milliardenschieflage wird Risikovorsorge groß geschrieben / Institut legt Reserven an BERLIN (mo).Der Vorstand der Bankgesellschaft Berlin erwägt einen Standortwechsel.Wie Vorstandssprecher Wolfgang Rupf am Montag im Rahmen der Bilanzpressekonferenz bestätigte, werde derzeit geprüft, ob der erweiterte Vorstand nicht in die französische Botschaft Unter den Linden ziehen könne.Anfang 1999 will die neue Bank mit der NordLB im Schlepptau an den Start gehen.Die Zustimmung der Gewährsträger soll bis zum späten Herbst unter Dach und Fach sein, erklärte Rupf insbesondere auch mit dem Hinweis auf die anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern im September.Ursprünglich war die Geschäftsführung noch von einem früheren Zeitpunkt ausgegangen.Außerdem, räumte Rupf ein, könne man auch nicht ausschließen, daß eine Anfechtungsklage angestrengt werde.Damit müsse man sogar rechnen.Im Ernstfall aber sei das "nur eine Frage des Geldes".Vor vier Wochen hatten Bankgesellschaft und NordLB eine grundsätzliche Einigung erzielen können. Ensprechend steht 1998 ganz im Zeichen der Fusion.Bis Anfang 1999 will sich die Bankgsellschaft klar unternehmerisch positionieren.Vorstandssprecher Rupf sprach am Montag von einem noch steinigen Weg, der nach wie vor bergauf führe.Man habe aber Kräfte und Muskeln entwickelt, sagte er, und die Risikovorsorge verbessert.Man kann es auch anders sagen: Nach der Milliardenschieflage vor zwei Jahren gibt sich die Bankgesellschaft Berlin betont vorsichtig.Das ausgeprägte Problembewußtsein schlägt sich in einer auch für das abgelaufene Jahr nach wie vor hohen Risikovorsorge nieder.Nach einer Brutto-Risikovorsorge von 2,5 Mrd.DM für 1996 wird für 1997 mit ensprechenden 1,3 Mrd.DM "den schwierigen Rahmenbedingungen im Kreditgeschäft" Rechnung getragen.Berücksichtigt ist dabei bereits das Asiengeschäft, für das 120 Mill.DM Risikovorsorge gebildet wurden.Im übrigen habe man die Asienkrise wohl ohne größere Kratzer überstanden, sagte Rupf.Nach Auflösungen und Gewinnen aus Wertpapieren betrug die Netto-Risikovorsorge immerhin noch eine Milliarde.Ein Teil, kommentierte Rupf, habe dabei auch Reservecharakter. Im Rahmen der "aktiven Sanierung" ist es der Bank im abgelaufenen Jahr gelungen, den im Vorjahr eingetretenen Substanzverlust wieder wettzumachen.Während das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge mit 1,7 Mrd.DM den Vorjahreswert nahezu wieder erreicht, resultierte nun nach Risikovorsorge ein um 88 Prozent erhöhtes Betriebsergebnis von 670 Mill.DM.Der Jahresüberschuß erreichte 295 Mill.DM nach 47 Mill.DM.Die nun wieder "echt" verdiente Dividende bleibt mit 1,10 DM unverändert. Dividendenphantasie will der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr zwar nicht wecken, doch auch von einer guten Kursentwicklung profitiere der Aktionär, betonte Rupf.Und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres lägen die Geschäfte im Plan.Im übrigen hat man sich viel vorgenommen: In den nächsten vier Jahren will man eine Kapitalrendite von mindestens 15 Prozent erreichen.Um die Bank auch für die Aktionäre weiter transparenter zu machen, veröffentlicht die Bankgesellschaft in diesem Jahr erstmals die Ergebnisse der einzelnen Geschäftsfelder (vgl.Tab.).Dabei schaut sich das Institut nach wie vor nach einem Partner für das Investmentbanking um.Im übrigen vertraut man auf qualitatives Wachstum aus eigener Kraft, wobei auch das keine personelle Verstärkung von außen ausschließt.So berief der Aufsichtsrat am vergangenen Freitag mit Norbert Pawlowski einen Externen von der Bayerischen Hypobank in den Berliner Vorstand, wo der Fusionsexperte vornehmlich das Risikomanagment verantworten soll.Zur weiteren Stärkung der Kräfte gehört nicht zuletzt auch die Verbesserung der Aufwandsrentabilität, die zur Zeit - ohne die Bau-Managment Tochter IBG - mit 66 Prozent immer noch über der Plangröße von 60 Prozent liegt.

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