Wirtschaft : Bankgesellschaft: Angebot für BGB verschwiegen

dr

Die scheidende Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) gerät im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf der Bankgesellschaft zunehmend unter Beschuss. Dem Tagesspiegel liegt ein Brief der Senatorin an die in London beheimatete Lend Lease Real Estate Investments vor, in dem sie ein Angebot des Investors für den Immobilienbereich der Bankgesellschaft als "äußerst konstruktiv" bezeichnet. Noch zu Wochenbeginn hatte die Senatorin erklärt, kein Investor sei bereit, die Immobilienrisiken ohne Garantieleistungen des Landes zu übernehmen.

Krajewski wies auch eine Vorabmeldung des "Spiegel" zurück, wonach sie ein Kaufangebot von Lend Lease für das gesamte Immobilien- und Fondsgeschäft der Bankgesellschaft abgelehnt haben soll. Ihre Sprecherin bestätigt zwar Gespräche, sieht diese aber in ein falsches Licht gerückt. Zudem sei mit allen potenziellen Investoren Vertraulichkeit vereinbart worden. Tatsächlich heißt es in einem Schreiben von Lend Lease an die Finanzsenatorin, man bitte, "das Interesse unseres Hauses höchst vertraulich zu behandeln", und erwarte, "dass eine formale Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet wird". Lend Lease ist eine in London beheimatete Immobilien-Investment-Gesellschaft und zählt nach eigener Aussage zu den größten in der Branche. Das verwaltete Immobilienvermögen erreicht rund 52 Milliarden Dollar, davon rund 43 Milliarden Dollar in den USA.

Aus der Berliner Finanzverwaltung heißt es nur: "Zwischen Finanzsenatorin Christiane Krajewski und Vertretern von Lend Lease Real Estate Investments hat es am 24. August ein Informationsgespräch gegeben. Dabei hat Lend Lease Interesse an bestimmten Teilen des Immobiliengeschäfts der Bankgesellschaft Berlin bekundet. Land Lease hat aber kein Angebot gemacht, das Immobiliendienstleistungsgeschäft für einen Euro bei gleichzeitiger Übernahme sämtlicher Risiken erwerben zu wollen."

Krajewski schreibt allerdings unter dem 2. November in einem Fax an die Vertreter von Lends Lease von einer "äußerst konstruktiv empfundenen Interessenbekundung". "Ihren Vorschlag, vorbehaltlich einer Due Dilligence (Werthaltigkeitsprüfung) das gesamte Immobilienvermögen der IBAG/IBG und die Verwaltung der von der IBAG/IBG aufgelegten Fonds gegen die Zahlung eines symbolischen Kaufpreises in Höhe von einem Euro bei gleichzeitiger finanzieller Vergütung der bestehenden Rückstellungen/Wertberichtigungen zu übernehmen, haben wir mit Interesse zur Kenntnis genommen." Fachleute verweisen nun darauf, dass der Begriff finanzielle Vergütung durchaus interpretierbar sei. Er könne auch heißen, dass Lend Lease sehr wohl eine Übernahme der Risiken durch das Land vorausgesetzt hat, die beabsichtigte Übernahme aus Sicht des Landes Berlin also zu einem Verlustgeschäft hätte führen können.

Ein Vertreter von Lend Lease war am Freitag bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In einem Schreiben von Lend Lease vom 6. September hieß es aber unter anderem: "Unser Angebot richtet sich auf die Übernahme des in der Gruppe vorhandenen Immobilienvermögens, sowie der Verwaltung der von der IBAG/IBG initiierten Fonds nebst zugehörigen Beteiligungen unter Freistellung der Bankgesellschaft Berlin und /oder IBAG/IBG Gruppe von gegenüber der Fondszeichnern und sonstigen Beteiligten abgegebenen Garantien."

Dann heißt es jedoch mehrdeutig: "Vorbehaltlich einer Einzelprüfung im Rahmen einer Due Dilligence bieten wir die Übernahme der entsprechenden Unternehmensteile zum Preis von einem Euro bei Übertragung der gebildeten Risikovorsorge an." Offenbar will der potenzielle Investor zunächst die Risiken sehr genau kennen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben