Wirtschaft : Bankgesellschaft bereitet Kündigungen vor

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Berlin (dr). Die Mitarbeiter der Bankgesellschaft Berlin haben dieser Tage beunruhigende Post erhalten. In einem konzernintern „als 10000-Brief“ bezeichneten Schreiben will der Vorstand von ihnen genauere Informationen über ihre beruflichen Pläne und ihre soziale Lage. „Mit dem Schreiben wird nun auch dem Letzten deutlich, wie ernst es der Bankgesellschaft mit dem angekündigten Abbau von Arbeitsplätzen ist“, heißt es aus Kreisen der Bank.

In dem Brief werden die Beschäftigten gebeten, auf einem ersten Bogen anzugeben, ob sie eine der Möglichkeiten zum freiwilligen Ausscheiden annehmen wollen. Dies sind Aufhebungsverträge, Vorruhestandsregelungen, Teilzeitvereinbarungen und ähnliches. Auf einem weiteren Blatt werden Sozialdaten, wie Betriebszugehörigkeit, Unterhaltspflichten, Familienstand und Alter abgefragt. Die Antworten der Mitarbeiter auf diese Fragen entscheiden im Ernstfall über den Kündigungsschutz. Wie bei betriebsbedingten Kündigungen vorgeschrieben, muss nämlich eine so genannte Sozialauswahl vorgenommen werden.

Parallel dazu hat der Vorstand der Bank die einzelnen Bereiche aufgefordert, Einsparpotenziale zu benennen. In einem ersten Schritt werden die Stellen identifiziert, nicht die Personen. Ein Bereich im Privatkundengeschäft (Retail-Geschäft) sind beispielsweise alle Privatkunden- und Vermögensberater bei der Bankgesellschaft, der Berliner Bank und der Sparkasse. Sind die wegfallenden Stellen ermittelt und haben die Arbeitnehmervertreter zugestimmt, werden die Stellen den freiwilligen Maßnahmen zum Personalabbau gegenübergestellt. Müssen weitere Stellen gestrichen werden, müsste die Sozialauswahl beginnen.

Wie viele Mitarbeiter letztlich betroffen sein könnten, darauf wollen sich weder Vorstand noch Personalvertreter derzeit festlegen. „Die Frist für die Zustimmung von Aufhebungsverträgen und ähnlichem läuft bis zum 30. September“, so eine Sprecherin der Bank. Doch bankintern heißt es auch: „Sicher sind derzeit nur Mitarbeiter, die mindestens 50 Jahre alt sind und auf eine 15-jährige Betriebszugehörigkeit verweisen können.“ Zwar existiert nach wie vor eine Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2004 ausschließt. Doch stimmten die Betriebs- und Personalräte bereits im März einer Regelung zu, nach der es im „wohlbegründeten Einzelfall“ sehr wohl zu einer Kündigungen kommen kann. Immerhin hat die Bankgesellschaft der EU-Kommission zugesagt, dass in der künftigen Regionalbank nur noch 8315 Mitarbeiter beschäftigt werden, derzeit arbeiten in diesem Bereich 10813 Personen.

Noch hofft beispielsweise auch der Personalratsvorsitzende Helmut Tesch, dass die größte Zahl der Mitarbeiter freiwillig ausscheidet. Beschäftigte, die bis zum 30. September einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen, erhalten neben der Abfindung eine so genannte „Sprinterprämie“ in Höhe von 7600 Euro. Wer auf eine halbe Stelle geht, erhält auch die halbe Prämie. Gerade in den vergangenen Tagen – nach Erhalt des 10000-Brandbriefes – sollen sich vermehrt Mitarbeiter gemeldet haben.

Weiter fortgeschritten ist die Bank beim Abbau von Stellen auf der dritten Führungsebene, also etwa Abteilungsleitern und Filialdirektoren. Betroffen sind, so Tesch, rund 200 Mitarbeiter. Von ihnen werden, so ist man in der Bank sicher, wohl nur 120 bis 140 bleiben. Bereits Mitte Juli soll entschieden sein, wie viele Mitarbeiter „degradiert werden, oder sogar gehen müssen. Die Gespräche laufen zum Teil bereits, sagt der Betriebsratsvorsitzende Tesch. Damit liegt die Quote noch über der der zweiten Führungsebene (Bereichsleiter), wo der Personalabbau bereits abgeschlossen ist. Von ehemals 70 Führungsstellen sind 40 gestrichen worden.

„Die Ziele für das Jahr 2002 werden wir erreichen“, verlautet es aus der Bank zuversichtlich. Die Betriebs- und Personalräte relativieren diese Erfolgsmeldung. Ein Großteil der Einsparungen im Personalbereich in Höhe von 150 Millionen Euro in diesem Jahr sei bisher durch den teilweisen Gehaltsverzicht und den Verzicht auf Sonderzahlungen erreicht worden. Jetzt kommt es darauf an, auch die Einsparungen bei den Personalkosten im kommenden Jahr „einzutüten“ und nun werden auch betriebsbedingte Kündigungen wahrscheinlich. .

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