Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: 764 Millionen Mark Verlust bei der IBG

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Auf die Bankgesellschaft Berlin (BGB), die Landesbank (LBB) und die Berlin Hyp kommen Verluste in Höhe von 764 Millionen Mark zu. Der Grund: Der Jahresabschluss der umstrittenen Immobilientochter IBG weist diesen Betrag für das Jahr 2000 aus. Der Bericht weist zudem darauf hin, dass das gesamte Immobiliengeschäft der IBG seit Monaten risikobehaftet ist. An der IBG sind die BGB mit 40, LBB und Berlin-Hyp mit je 30 Prozent beteiligt.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Ursache für das erstmals negative Ergebnis der IBG sind laut dem Bericht der Prüfungsgesellschaft BDO, der seit dem 18. Mai fertig gestellt ist und dem Tagesspiegel vorliegt, "in erster Linie sinkende Erträge im Fondsgeschäft". Außerordentlich belastet werde das Unternehmen ferner durch die von BGB-Konzernchef Wolfgang Rupf eingeleitete Neuausrichtung der Immobilienaktivitäten. Zudem enthalte das IBG-Ergebnis einen Buchungstrick, ohne den es noch schlechter ausgefallen wäre.

So warnen die Gutachter im Abschnitt "Entwicklungsbeeinträchtigende oder bestandsgefährdende Tatsachen", dass in das IBG-Jahresergebnis Erlöse für Dienstleistungen eingeflossen seien, die teilweise noch nicht vollständig erbracht seien. Die vorgezogenen Erträge betreffen die Immobilien-Fonds "Deutschland 4" sowie "IBV Universal 1". Deren Anteile sind nur teilweise bei Anlegern platziert. Den Gutachtern zufolge ist "aufgrund der aktuellen Probleme nicht sichergestellt, dass die Fonds in der zunächst beabsichtigten Form vertrieben werden können." Sollte es so kommen, stünden für die im Jahresabschluss 2000 bereits gebuchten 114 Millionen Mark für "Konzeption" und "Vertriebsaufwand" keine Einnahmen durch die Fonds gegenüber.

Bereits erwartet, aber nun beschlossen, ist die Abwertung der Ende 2000 in die IBAG ausgegründeten Bauträger-Töchter des Banken-Konzerns vom "ursprünglich vereinbarten Kaufpreis von 1123 Millionen Euro um 500 Millionen Euro". Die neue Bewertung der IBAG ist für den Bankenkonzern wichtig, weil die BGB ihre Tochter mittelfristig verkaufen will. Im ersten Versuch scheiterte der Plan, weil sich kein Erwerber bereit erklärte, rund 2,25 Milliarden Mark für die IBAG aufzubringen. Den ursprünglich hohen Kaufpreis ermittelten Gutachter vor rund sechs Monaten im Auftrag der BGB. Hohe Verkaufserlöse waren eingeplant, um Risiken aus dem Fonds-Geschäft zu decken. Nun müssen Bank und Anteilseigner die Rückstellungen anders aufbringen.

Die aus der IBG ausgegliederte IBAG führt unter ihrem Dach ein halbes Dutzend Bau-, Planungs- und Fonds-Vermarktungs-Gesellschaften, und beschäftigt nahezu alle Mitarbeiter dieses Immobilien-Bereichs der BGB. Zudem gehören der IBAG mehrere Tausend vermietete Immobilien. Diese "Vorratsimmobilien" sollen in Fonds überführt werden, die später an Anleger verkauft werden. Aus diesem Geschäft stammten die meisten Umsätze der IBG und es sollte künftig wesentlich zu den Erträgen der IBAG beitragen. Doch mit der Bankenkrise brach der Verkauf von Fonds-Anteilen wegen des Vertrauens-Verlustes der Anleger bei der IBAG ein. Insider fürchten nun um den IBAG-Bestand.

Der Jahresabschluss der IBG zeigt auch, dass die Immobilien-Aktivitäten der Bank neu auszurichten sind: Die Geschäfte mit den umstrittenen Geschlossenen Immobilienfonds gingen 2000 wegen des "Auslaufens steuerlicher Vergünstigungen" drastisch zurück. Hintergrund: Bis Ende 1999 bekamen Käufer von Fonds-Anteilen große Teile ihrer Investition als Steuererstattungen zurück. Die Folge der gestrichenen Förderung: Die Erlöse aus den "von Fonds vereinnahmten Gebühren gingen wegen eines rückläufigen Vertriebs- und Schließungsvolumens konzernweit deutlich zurück".

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