Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Analysten raten ab

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Bei der Bankgesellschaft Berlin (BGB) fühlt man sich fast an japanische Verhältnisse erinnert: Vier Sonderprüfungen zu den teilweise dubiosen Geschäften der Bank laufen auf Hochtouren. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat das Unternehmen im Visier. Für Ende Mai wird das Ergebnis der Untersuchung erwartet. Die Hauptversammlung musste verschoben werden. Fünf Vorstände wurden abberufen. Der scheidende Vorstand der Tochter Berliner Hyp, Klaus Landowsky, warnte, das Ergebnis werde miserabel sein. Für das abgelaufene Jahr hatte die Bank ein Minus von knapp 30 Prozent im Betriebsergebnis vor Risikovorsorge ausgewiesen. Pessimisten befürchten sogar, dass die Ausschüttung einer Dividende in diesem Jahr gefährdert ist. Die hohen Wertberichtigungen aus fehlgeschlagenen Immobiliengeschäften bleiben nicht ohne Folge. Die Auswirkungen auf den Aktienkurs sind katastrophal: Das Papier, das vor drei Monaten noch gut 15 Euro kostete, wird inzwischen nur mit 10,50 Euro gehandelt. Im April 1998 standen die Titel noch bei 24 Euro.

Trotz eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von zwölf ist das sechstgrößte börsennotierte Geldinstitut in Deutschland alles andere als attraktiv: "Bei bekannten Risiken bietet der aktuelle Kurs der Aktie durch die noch vorhandene Substanz zwar eine gute Absicherung nach unten", sagt Viktor Heese von der WGZ-Bank, "aber Kursimpulse nach oben sind angesichts der operativen Schwäche der Bank nicht zu erwarten." Während andere Großbanken im Zinsgeschäft einen Zuwachs von zwei Prozent verzeichneten, verbuchte die BGB im Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von 18 Prozent.

Die Risiken im Kreditgeschäft und bei den Immobilienfonds sind bislang nur schwer abzuschätzen. Anders als in der Branche üblich stand die Bankgesellschaft mit ihren Fonds für praktisch alle Unwägbarkeiten gerade. Obwohl die Investoren kein unternehmerisches Risiko trugen, setzten sie meist zwischen 50 und 80 Prozent des Investments von der Steuer ab. Jetzt könnte es für die Steuersparer wie für die Bankgesellschaft ungemütlich werden: Wenn sie Pech haben, müssen sie ihre steuerliche Vergünstigung zurückzahlen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Dann drohen der Bankgesellschaft Milliardenforderungen, weil sie den Investoren die Abschreibungen im Fonds-Prospekt garantiert hat. Die BGB bestreitet die Gefahr. Dennoch: Schon allein die Unsicherheit sollte vorsichtige Investoren abschrecken. "Die Risikovorsorge kann bedrohlich Ausmaße annehmen", warnt Heese. Das ist Gift für den Aktienkurs. Hinzu kommt, dass die Übernahmefantasie fehlt, weil das Land als Großaktionär mit einer Beteiligung von 56,6 Prozent jeder Veränderung im Weg steht. Klarer Fall für Heese: "Für konservative Anleger ist die Aktie auch auf dem ermäßigten Niveau kein Kauf."

Auch andere Analysten sind skeptisch, "Wir haben die Aktie Mitte Februar von neutral auf underperformer herabgestuft", sagt Martin Peter von der WestLB. Bis dato habe man argumentiert, der Aktienkurs sei nach unten gut abgesichert, weil Eigenkapital plus stille Reserven bei knapp 20 Euro je Aktie lagen. Jetzt müssten beide Zahlen deutlich nach unten korrigiert werden. Nur wie stark wisse zur Zeit niemand. Angesichts der Unsicherheit über das Ausmaß der Risikovorsorge, könne man zur Zeit zu allen möglichen Ergebnissen kommen - vom herben Verlust bis zur schwarzen Null. Je nachdem errechne sich ein fairer Wert von zehn bis 13 Euro je Aktie. Anleger müssen deshalb darauf gefasst sein, dass der Aktienkurs weiter korrigiert wird. Peters Fazit: "BGB-Aktien sind ein sehr spekulatives Papier mit geringen Umsätzen. Da kann der Kurs schnell um zehn Prozent oder mehr nach unten gehen."

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