Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Arbeitnehmer betreiben weiter Ablösung von Rupf

Die Arbeitnehmervertreter der Bankgesellschaft Berlin erwarten eine Abwahl von Konzernchef Wolfgang Rupf noch in diesem Monat. Ein entsprechender Antrag stehe auf der Tagesordnung der nächsten Aufsichtsratssitzung am 16. Juli, sagte Hartmut Friedrich von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Es ist uns ernst", so Friedrich. "Ich habe das Gefühl, dass dieser Antrag nicht nur auf Arbeitnehmerseite befürwortet wird." Im 20-köpfigen Aufsichtsrat der Bankgesellschaft stellten die Arbeitnehmer zehn Vertreter. Für die Abwahl des Vorstandsvorsitzenden genügt eine einfache Mehrheit. Zum vorgestellten Sanierungskonzept des Vorstandes sagte Friedrich, es stelle eine Basis dar. Allerdings habe er Zweifel an dem geplanten Drei-Säulen-Modell (Großkunden, Privatkunden, Immobiliengeschäft). Besser sei ein einheitliches Modell, bei dem die Führung leichter durchgreifen könne. Friedrich widersprach zudem Berichten, wonach das Modell von Rupf mehrheitlich begrüßt worden sei. Keiner der Anteilsvertreter habe sich positiv oder negativ dazu geäußert.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Der Versicherungskonzern Parion verweigert unterdessen weiterhin eine klare Aussage, ob er sich an einer Kapitalerhöhung der Bankgesellschaft beteiligen wird. Zwar habe er Anfang April eine grundsätzliche Bereitschaft dazu signalisiert, sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Peiner am Montag auf der Bilanzpressekonferenz in Köln. Doch noch seien die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt. Zunächst müsse ein Weg aufgezeigt werden, die Probleme der Bank im Hinblick auf Führung, Struktur und Strategie dauerhaft zu lösen sowie die Funktion von Parion als Partner des Landes Berlin und der Bankgesellschaft abzusichern. Hierzu würden noch in dieser Woche Verhandlungen mit dem Senat aufgenommen, sagte Peiner. Er sei zuversichtlich, dass diese Gespräche zügig zu einem Abschluss gebracht werden könnten. Peiner verwies zugleich darauf, dass das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen den Versicherungen grundsätzlich die Beteiligung an einer Sanierung von Kreditinstituten untersage. Zudem sei Parion kein Großaktionär der Bankgesellschaft, vielmehr lägen 4,1 Prozent der Anteile bei der Gothaer Lebensversicherung und 3,4 Prozent bei der Gothaer Versicherungsbank. Parion fühle sich daher vom Präsidenten des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen, Jochen Sanio, "nicht angesprochen", wenn dieser neben dem Land Berlin auch die übrigen Großaktionäre auffordere, sich an der Sanierung zu beteiligen. Peiner betonte, das Engagement bei der Bankgesellschaft stelle für Parion kein größeres Risiko dar. Den derzeitigen Wert des Aktienpakets bezifferte er auf rund 300 Millionen Mark, denen im Konzern stille Reserven von 5,1 Milliarden Mark gegenüberstünden.

Die Kapitalerhöhung soll auf der Hauptversammlung am 29. August beschlossen werden. Laut "Berliner Morgenpost" könnten die jungen Aktien einen Ausgabepreis von fünf bis acht Euro haben.

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