Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Betriebsergebnis der Gesellschaft sinkt

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Die Bankgesellschaft Berlin muss für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres über ein rückläufiges Betriebsergebnis berichten. Die strategischen Geschäftsfelder hätten zwar "im Großen und Ganzen" ihre Planzahlen erreicht, so der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Rupf am Mittwoch vor der Presse, doch habe sich die Bankgesellschaft nicht von den Veränderungen an den Zinsmärkten freimachen können und müsse deshalb einen deutlichen Rückgang des Zinsüberschusses bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,4 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro hinnehmen. Es sei kein so starker Anstieg der kurzfristigen Geldmarktzinsen erwartet worden. Man sei auch davon ausgegangen, dass die langfristigen Zinsen entsprechend steigen würden, bekannte Rupf.

Allerdings sei man beim Ausbau des Provisionsüberschusses, beim Abbau der Kreditrisiken und bei der Stabilisierung der Verwaltungsaufwendungen vorangekommen, so dass das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge in der Berichtszeit "nur" um 15,8 Prozent auf 582 Millionen Euro, und nach Risikovorsorge um 11,8 Prozent auf 328 Millionen Euro zurückgegangen ist. Dennoch kündigte der Vorstandsvorsitzende für das Gesamtjahr eine unveränderte Dividende von 0,60 Euro an, "die wir voll im operativen Geschäft verdienen". Dafür ist in der AG ein Gewinn vor Steuern von rund 170 Millionen Euro erforderlich.

Rupf verwies darauf, dass bei der Bankgesellschaft der Zinsüberschuss eine ungleich größere Rolle spiele, als bei den Großen im Investmentgeschäft und auch bei denjenigen Banken, die über ein größeres, bundesweites, Filialnetz verfügten. Auf der anderen Seite habe das gute Geschäft an den Geld- und Kapitalmärkten aber erst die hohen Wertberichtigungen in den vergangenen Jahren ermöglicht. Diese beliefen sich für den Zeitraum von 1995 bis 2000 auf 3,8 Milliarden Euro. Für die ersten neun Monate des Jahres 2000 waren es immerhin noch 328 Millionen Euro, ein Rückgang von 18,6 Prozent gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszeit. Rupf will aber die Netto-Risikovorsorge bis zum Jahresende weiter drücken. Vieles wird davon abhängen, wie sich die Bauwirtschaft in der Region entwickelt. Rund 45 Prozent der Kundenkredite wurden in diesen Bereich gegeben.

Ausführlich ging Rupf auf die weiteren strategischen Planungen ein. Bis Ende des Jahres 2001 ist, wie mehrfach angekündigt, der Abbau von 1600 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen vorgesehen. Der Immobilienbesitz soll gestrafft werden, im Eigentum der Bank würden weiterhin die "Leuchtturm-Standorte" (etwa Alexanderplatz oder Bundesallee), aber nicht mehr jede Filiale bleiben. Der Immobiliendienstleister IBG soll in den kommenden drei Jahren zumindest teilweise an die Börse gebracht werden. Großes Gewicht legt man bei der Bankgesellschaft auf den Ausbau von Online-Banking und Online-Brokerage. Man wolle in Berlin die Privatkundenbank mit den günstigsten Transaktionskosten in der Breite der Produkte werden.

Im Ausland konzentrieren sich die Aktivitäten auf Tschechien und die dortige Zivnostenska banka, an der die Berliner inzwischen knapp über 85 Prozent halten, und auf die polnische BIG Bank, an der die Bankgeselschaft knapp fünf Prozent hält. Mehrheitsaktionär dort ist die Banco Comercial Portugues. Gemeinsam mit den Portugiesen und den Tschechen denke man über potenzielle gemeinsame Ziele nach, so Rupf, der nicht ausschließen wollte, das es zwischen der Bankgesellschaft und der Banca Commercial zu wechselseitigen Beteiligungen kommen könnte. Möglich wäre dann auch, dass das Land Berlin, sich von einen kleineren Anteil seines Aktienbesitzes an der Bankgesellschaft trennt.

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