Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: BGB braucht fast fünf Milliarden

ball

Die Bankgesellschaft Berlin (BGB) wird das Jahr 2000 mit einen Verlust von mindestens 2,73 Milliarden Mark abschließen. Dieses "vorläufige handelsrechtliche Konzernergebnis" legte BGB-Controller Norbert Pawlowski dem Aufsichtsrat Ende Mai vor. Der Verlust kann noch steigen, wenn Gutachten zu den Immobilien-Töchtern vorliegen. Auch der Kapitalbedarf der Bank, den das Land Berlin bereitstellen will, droht auf 4,8 Milliarden Mark zu klettern.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Bisher war das Land als Anteilseigner von einem maximalen Kapitalbedarf in Höhe von vier Milliarden Mark ausgegangen. Das Konzernergebnis der Bankgesellschaft ist dem Protokoll der vergangenen Aufsichtsratssitzung von Ende Mai zu entnehmen, das dem Tagesspiegel vorliegt. Demnach teilte Norbert Pawlowksi, Chef des Controllings im Konzern, dem Aufsichtsrat mit, dass der vorläufige Verlust "im Einklang mit den Abschlussprüfern und den Sonderprüfern erstellt worden" sei. Er schränkte jedoch ein, dass diese Zahl nach Vorlage der Gutachten von Roland Berger zur IBAG sowie von Ernst & Young zur IBG und wegen einer "möglichen Teilwertabschreibung auf die Berlin Hyp" weiter klettern könnte.

Das hätte auch Konsequenzen für die Anteilseigner: Sie müssten mehr Geld in den Konzern pumpen. Der in der Aufsichtsratssitzung anwesende Mitarbeiter des Bundesaufsichtsamtes für Kreditwesen sagte, dass "noch Unwägbarkeiten in einer Größenordnung von zehn bis 20 Prozent drohen". Bezogen auf den bisher verkündeten Bedarf von vier Milliarden Mark kämen demnach weitere 400 bis 800 Millionen Mark hinzu.

Das große Minus im Bankenkonzern ist auf hohe Rückstellungen im Gesamtwert von rund zwei Milliarden Mark zurückzuführen. Vor dem Aufsichtsrat erklärte die Konzernführung, auf welche Risiken diese entfallen: Rund 538 Millionen Mark verlangte das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen. Damit müssen die Banken aus dem Konzern Risiken aus Großkrediten vorbeugen. Die Vorstände nennen den von Bundeskanzler Gerhard Schröder unterstützten Sanierungsfall Holzmann sowie den Berliner Papierhersteller Herlitz als Beispiele. Ein großer Teil der Vorsorge, rund 1,5 Milliarden Mark, entfällt auf den drohenden Zusammenbruch des öffentlich geförderten Wohnungsbaus in Berlin. Hier streicht das Land Subventionen für Bauträger, und da die Mieten die Zinskosten nicht decken, drohen Schieflagen. Ebenfalls in den 1,5 Milliarden Mark enthalten: im Wert herabgesetzte Immobilien und Unternehmenspleiten. Dazu zählt der in Konkurs gegangene Berliner Betreiber von Seniorenheimen Rentaco.

Die zahlreichen Sonderprüfungen, die Führungskrise und der Kapitalbedarf haben unterdessen weite Teile der Geschäfte im Kredithaus zum Erliegen gebracht: "Eine aktive Akquisition von Kreditgeschäften wird vollständig eingestellt", teilte BGB-Chef Rupf seinem Aufsichtsgremium mit. Lediglich das Geschäft im Bereich der Privatkunden laufe weiter. Außerdem sind Rupf zufolge "nicht unerhebliche Geldabflüsse zu beklagen". Die vermögenden Privatkunden der BGB-Tochter Landesbank Berlin hätten bereits eine halbe Milliarde Mark Vermögen aus dem Geldhaus zurückgezogen und angekündigt, weitere 422 Millionen Mark abzuziehen. Dies teilte der für Vermögensanlagen zuständige Vorstand Thomas Kurze dem Aufsichtsrat mit. Unter Plan sind dem BGB-Vorstand Johannes Evers zufolge auch die Umsätze beim Privatkunden- und Wertpapiergeschäft. Zudem registrierten Filialen "erste besorgte Anfragen hinsichtlich der Sicherheit der Einlagen", so Evers.

Schwierigkeiten hat die Bank auch mit ihrem geplanten Sparprogramm. Nach Angaben von Wolfgang Rupf ist der Vorstand unter seiner Leitung mit dem "Mitarbeiterabbau bisher nicht in dem prognostizierten Maße vorangekommen". Geplant ist die Streichung von 1240 bis 1600 Stellen. Doch "bei den Mitarbeitern besteht bisher keine große Bereitschaft, den Konzern zu verlassen", so Rupf entmutigt. Ganz anders sieht es dagegen bei den hochqualifizierten Mitarbeitern aus: "gut ausgebildete Mitarbeiter werden von Headhuntern massiv umworben", so Kurze. Während die Kosten bleiben, schrumpfen die Umsätze: Bis Ende März lag "das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge um 22,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis", so Rupf.

Als weitere "Problemschwerpunkte" führt das Protokoll die Bereiche Aubis und IBG / IBAG auf. Bei den Aubis-Krediten werden "schwerwiegende Bearbeitungsfehler" kritisiert. Die jüngste Folge war die rückwirkende Kündigung der zuständigen Berlin-Hyp-Vorstände Klaus Landowsky, Gerd-Ulrich Blümel sowie Jürgen Noack. Der Bereich IBG / IBAG war unter Leitung von Rupf umstrukturiert worden. Hierzu stellt das Aufsichtsratsprotokoll fest: "Diese Transaktion ist schon in der Entstehungsgeschichte nicht professionell gehandhabt worden, dies hat zu schwerwiegenden Konstruktionsfehlern geführt, mit erheblichen negativen Auswirkungen" auf die Bilanz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben