Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: BGB entlässt ihre Vorstände

dr

Bei der Bankgesellschaft Berlin hat am Donnerstag das große Aufräumen begonnen. Der Aufsichtsrat der Berlin Hyp berief das Vorstandsmitglied Gerd-Ulrich Blümel mit sofortiger Wirkung ab und akzeptierte den Rücktritt des stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Noack. Bei der Landesbank Berlin wurde Vorstandsmitglied Jochem Zeelen mit sofortiger Wirkung abberufen. Ulf-Wilhelm Decken wurde auf eigenen Wunsch von seinem Amt entbunden.

Zu den Gründen der Entscheidung teilte die Bankgesellschaft nichts mit. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hatte im Zuge einer Prüfung der Kreditgeschäfte des Konzerns die "persönliche Zuverlässigkeit und die fachliche Eignung" einiger Geschäftsleiter in Zweifel gezogen. Die Sprecherin des Amtes, Sabine Lautenschläger- Peiter, erklärte am Donnerstag: "Wir haben personelle Konsequenzen nicht nur bei Landowsky erwartet." Die Neuordnung der Vorstände bei den Bankgesellschafts-Töchtern überrasche die Bankenaufsicht nicht. Die vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) beauftragten Wirtschaftsprüfer arbeiteten mit Hochdruck an der Durchleuchtung der Geschäfts.

Am Dienstag wird sich der Aufsichtsrat des Konzerns, zu dem auch Finanzsenator Peter Kurth gehört, unter Vorsitz von Dieter Feddersen mit dem Mitgliedern des Konzernvorstandes befassen. Offiziell gab es hierzu aus Kreisen der Bank keine Nachrichten. Es gilt aber als sicher, dass zumindest die Positionen der Vorstandsmitglieder Hans Leukers und Lothar Wackerbeck gefährdet sind. Auch der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Rupf gerät mehr und mehr in die Kritik. Ein Banker aus dem Frankfurter Raum soll als Nachfolger im Gespräch sein.

Bis zum Dienstag wird es auch dauern, bis über die Besetzung der nun vakanten Posten entschieden wird. Dringlich erscheint dies bei der Berlin Hyp: Von den ehemals fünf Vorständen sind jetzt nur noch zwei, Heinz Dieter Gottschalk und Dirk Hoffmann, im Amt. Eine Vorentscheidung für Dienstag könnte bereits am Sonntag fallen, wenn sich auf Initiative des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen Senatsmitglieder mit Rupf und Feddersen treffen. Dabei wird es auch um die Frage einer Ausschüttung der Bankgesellschaft gehen. Alles andere als ein Dividendenausfall wäre eine Überraschung.

Im Konzern der Bankgesellschaft zieht man mit den Abberufungen und Rücktritten weitere Konsequenzen aus der ausufernden Immobilienaffäre. Zunächst stürzte der Vorstandsvorsitzende der Berlin Hyp, Klaus Landowsky, über die Aubis-Kredite. Diese Kredite sollen bei der Berlin Hyp zudem von den beiden damaligen Vorstandsmitgliedern Blümel und Noack zu verantworten sein. Bei der Landesbank tauchten vor wenigen Tagen Haftungsfreistellungserklärungen für Komplementäre von Fondsgesellschaften auf. Mindestens eine dieser Freistellungserklärungen soll von Decken, eine weitere von Zeelen unterzeichnet worden sein.

Die Bankgesellschaft liegt unter den deutschen Großbanken - gemessen an der Bilanzsumme von 379 Milliarden Mark Ende 1999 - auf Platz zehn. Beschäftigt werden derzeit rund 16 000 Mitarbeiter. Die Stimmung unter den Mitarbeiter ist schlecht, nicht nur weil bis zum Ende des kommenden Jahres rund zehn Prozent der Stellen wegfallen sollen. DAG-Landesverbandsleiter und Bankgesellschafts-Aufsichtsrat Hartmut Friedrich erklärte am Donnerstag, einige Bankgesellen hätten "ihren Gesellenbrief nicht verdient". Mit jeder täglich neuen Schlagzeile, mit jedem Stückchen neuer Wahrheit, leide das Image der Bankgesellschaft und damit stünden tausende von Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Kunden würden massiv verunsichert, das tägliche Beratungsgeschäft an den Kundenschaltern werde zum "Spießrutenlauf", meinte Friedrich auch im Namen von HBV und ÖTV.

Die Bankgesellschaft gehört zu 56,6 Prozent dem Land Berlin, doch will der Senat in diesem Jahr etwa sechs Prozent verkaufen. Ob dies nach den Ereignissen möglich ist, erscheint unwahrscheinlich. Weitere Großaktionäre sind die NordLB und die Gothaer Versicherungs-Gruppe. Nur etwa 15 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz. Die Aktionäre hatten in jüngster Zeit wenig Freude. Der Kurs der Aktie der Bankgesellschaft war am Mittwoch zeitweise um mehr als elf Prozent eingebrochen. Die Aktie gab am Donnerstag in einem allgemein schwächeren Marktumfeld über acht Prozent auf Kurse um 10,25 (Vortag 11,20) Euro nach. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, forderte den Aufsichtsrat der Bankgesellschaft dringend auf, darüber nachzudenken, den gesamten Konzernvorstand inklusive des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Rupf, auszuwechseln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar