Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Der Chef der Bank will die Initiative zurückgewinnen

Daniel Rhee-Piening

Rechtzeitig vor der für den kommenden Dienstag angesetzten Sitzung des Aufsichtsrates der Bankgesellschaft Berlin versuchte deren Vorstandsvorsitzender Wolfgang Rupf am Freitagnachmittag die Initiative zurückzugewinnen. Locker trat er vor die Presse und verkündete seine "Erfolgsbilanz". Von Resignation wollte Rupf nichts wissen. Sicher, er habe überlegt, dann aber habe er seinen Vertrag, der bis zum Herbst 2001 lief, doch verlängert - bis zum Jahr 2005 und damit über die bei der Bankgesellschaft geltende Altersgrenze von 60 Jahren hinaus. Denn 60 wird Rupf bereits im Jahr 2002. Zugleich verteidigte der Bankchef seine Kollegen Lothar Wackerbeck und Hans Leukers. An Gerüchten, dass auch ihre Positionen unsicher seien, sei nichts dran. Er könne sich die Diskussion bei Leukers allenfalls mit dessen näherrückendem 60sten Geburtstag erklären.

Mit seinen Ex-Kollegen geht Rupf weniger zartfühlend um, ohne allerdings mehr als einen von ihnen konkret beim Namen zu nennen. Klaus Landowsky habe er bereits vor Jahresfrist geraten, sich zwischen Bank und Politik zu entscheiden. Und gerade mit der Berlin Hyp lief nicht immer alles so leicht. Hypothekenbanker können sich eben auf die besonderen Vorschriften des Hypothekenbankengesetzes zurückziehen, so die Erklärung von Rupf. Anderes klingt weniger freundlich. In den Teilbanken des Konzerns seien teils "Mauern des Schweigens" aufgebaut worden, sagt Rupf. Die würden jetzt durchlässiger. Bei den bisher erfolgten Umstrukturierungen der Bank, habe es "gewisse Widerstände aus den Organstrukturen der Banken" gegeben - "doch diejenigen Leute schauen nun von außen zu", verkündet er selbstbewußt. Hätte er noch rabiater vorgehen können? Rupf: "Ich hätte ja nicht zum Aufsichtsrat gehen, und nur pauschal erklären können, dieser Vorstand passt mir nicht." So kamen ihm die Bedenken, die das Bundesamt für das Kreditwesen (BAKred) äußerte, wohl gerade Recht. "Das, was ich umsetzen wollte, hat mir das Bundesamt für das Kreditwesen leichter gemacht", erklärt er. Und fügt hinzu: "Weitere Bedenken gegen Vorstandskollegen gibt es vom BAKred nicht".

Keine Schwierigkeiten habe er hingegen mit dem Hauptaktionär, dem Land Berlin oder dessen Vertretern im Aufsichtsrat, Finanzsenator Peter Kurth und Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner. Im Gegenteil: "Ich habe mich bei meinem Amtsantritt gewundert. Das Land läßt uns große Freiheit." Manches wird Rupf aber seit seinen Amtsantritt im Jahr 1997 böse überrascht haben. Er gibt zu, dass er die prekäre Lage damals nicht in ihrer ganzen Dimension erkannt, die Aufgabe vielleicht auch unterschätzt habe.

Rupf verweist auf Zahlen, die seinen Erfolg belegen sollen. In seiner Amtszeit seien immerhin Wertberichtigungen von rund sieben Milliarden Mark verdient worden, die Verwaltungskosten gesenkt - und das jetzt vorgelegte vorläufige Betriebsergebnis von rund 760 Millionen Euro sei "das beste Ergebnis, das dieser Konzern je hatte". Das Vorjahresergebnis will Rupf nicht zum Vergleich heranziehen. Dieses sei von Sonderfaktoren - sehr gute Kapitalmarktgeschäfte - geprägt.

Für die Zukunft sei alles gerüstet. Das Retailbanking (Privatkunden und kleinere Kredite) sei reorganisiert und schreibt "im niedrigen einstelligen Bereich" schwarze Zahlen. Mit einem Volumen von rund 36 Milliarden Euro ist die Bankgesellschaft die größte Retailbank in Deutschland. Das Whole-Sale-Geschäft (Kapitalmarktgeschäft) läuft wie gewünscht und "im Immobiliengeschäft haben wir weite Teile aufgeräumt". Insgesamt rechnet Rupf für das laufende Jahr mit einer Risikovorsorge von etwa 200 bis 250 Millionen Euro. Dies wäre nur noch die Hälfte bis zu einem Drittel der Summe, die - sollte das Bundesaufsichtsamt zustimmen - für das Jahr 2000 veranschlagt wird.

Der Immobilienbereich ist das Hauptproblem, und er könnte das Betriebsergebnis noch nachhaltig verhageln. Gelingt der Verkauf der IBAG nicht wie geplant für 1,5 Milliarden Mark, muss die Bankgesellschaft rund eine Milliarde Mark zusätzlich an Rückstellungen bilden. Dann "weise ich einen Verlust aus", sagt Rupf kurz und trocken, und zieht ebenso nüchtern die Schlussfolgerungen. "Dann brauchen wir eine Kapitalerhöhung, oder wir müssen das Geld an der Kapitalmarkt besorgen." Rupf denkt offenbar über Genussscheine nach.

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