Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Der Teilverkauf wird schwer

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Der geplante Verkauf von Teilen der finanziell angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin (BGB) wird nach Tagesspiegel-Informationen schwerer als geplant. Der Grund: Der Konzern wird beim Verkauf nur in einzelnen Fällen Erlöse verbuchen können, die größer sind als der Buchwert der Unternehmen. Ende Mai hatte der Aufsichtsrat der BGB bereits beschlossen, zur Sanierung des Bankkonzerns die Weberbank zu verkaufen.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Die BGB hatte vor zwei Jahren den Wert der Weberbank auf 1,2 Milliarden Mark geschätzt. In den Büchern steht sie mit rund 600 Millionen Mark. Der Unterschied ergibt sich aus den großen "stillen Reserven". Das zweite Filetstück der Bankgesellschaft ist die Landesbank Berlin (LBB). Sie hat einen Buchwert von rund 1,78 Milliarden Mark, doch die tragende Säule des Konzerns soll bis zu sechs Milliarden Mark wert sein. Vor allem die über zwei Millionen Kunden in der Region wecken die Begehrlichkheiten von Käufern. Der Einzelverkauf der LBB könnte das Ende des Konzerns der Bankgesellschaft bedeuten, befürchten Insider.

Ein weiteres Standbein des Bankkonzerns ist die Berlin-Hyp. Wie viele deren Immobilien-Kredite nicht werthaltig sind, weiß bis heute niemand. Das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen hatte nur Stichproben bei umstrittenen Kunden wie Aubis überprüft. Weiterer Nachteil der Hypothekenbank: Ihr Privileg, Kapital durch den Vertrieb von Pfandbriefen zu beschaffen, dürfte auf Betreiben der Europäischen Union bald wegfallen. Branchenkenner zufolge sind deshalb reichlich Hypothekenbanken auf dem Markt. Daher sei bei einem Verkauf der Buchwert von 1,24 Milliarden Mark kaum erzielbar - zumal Käufer mit unbekannten Kreditrisiken rechnen müssten.

Bereits vor etwa zwei Jahren hatten die Vorstände der Bankgesellschaft die Allbank feilgeboten. Doch zum damaligen Buchwert mochte weder die Hypo-Vereinsbank noch ein weiterer Verhandlungspartner das Institut übernehmen. Heute wären mehr als 350 Millionen Mark fällig, damit der Konzern keinen Verlust macht. Die Allbank verfügt über ein bundesweites Filialnetz und hat eine besondere Stärke durch Partner im PKW-Finanzierungs-Geschäft.

Bleiben die Töchter in Ireland (Buchwert nach Tagesspiegel-Informationen: rund eine Milliarde Mark), London (rund 400 Millionen Mark) und Luxemburg (rund 500 Millionen Mark). Mit dem Verkauf würde sich der Konzern nach Einschätzung von Experten ein "Stück Lebensfaden" abtrennen, weil viele internationale Finanzierungsgeschäfte über diese Töchter abgewickelt werden.

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