Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Die Weberbank in Berlin wird verkauft

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Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft Berlin (BGB) ist am Freitag zusammengekommen, um über die Zukunft des Unternehmens zu beraten. Zur Deckung eines Teiles der bisher bekannten Kapitallücke von vier Milliarden Mark soll die Weberbank verkauft werden, beschloss der Aufsichtsrat. Bis zur nächsten Sitzung Mitte Juni wird der Kapitalbedarf, so hieß es in Finanzkreisen, weiter zunehmen.

Mit dem bekannten Kapitalbedarf der Bankgesellschaft ist es Insidern zufolge nicht getan. Die Prüfer suchen weiter nach faulen Kredit-Engagements.

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Sind Neuwahlen fällig? Der Verlust der Bankgesellschaft für das Geschäftsjahr 2000, stellte der Aufsichtsrat am Freitag fest, werde "unter vier Milliarden Mark" liegen, da Reserven aufgelöst werden könnten. Schon jetzt ist klar, dass die BGB für 2000 insgesamt knapp 1,3 Milliarden Mark Vorsorge für wacklige Immobilienkredite treffen. Um einen Teil der Eigenkapitallücke zu schließen, will die Bankgesellschaft die Weberbank, eine Beteiligung der Landesbank Berlin, verkaufen. Ein Plan zur Restrukturierung der Bankgesellschaft soll dem Aufsichtsrat auf der nächsten Sitzung am 24. Juni vorgelegt werden. Bei den bisher entdeckten finanziellen Risiken sollen, wie aus Finanzkreisen zu hören ist, Teile der in einem Bericht des Unternehmensberaters McKinsey erfassten wackeligen Immobilien-Kredite noch nicht berücksichtigt sein. Wie der Tagesspiegel berichtete, kam es zwar zu einer Bestandsaufnahme, die Sanierung der drohenden Schieflagen soll aber halbherzig betrieben worden sein.

Nach Einschätzung von Insidern könnten sich die Risiken in diesem Portfolio auf zwei Milliarden Mark belaufen. Ein weiterer Brocken nicht erfasster Risiken soll in den "Vorratsimmobilien" der IBAG liegen. Das sind Bauten und Grundstücke, die die Banken-Tochter erwarb, um sie in Fonds zu platzieren. Seit dem fehlgeschlagenen IBAG-Verkauf Anfang 2000 ist deren Handlungsunfähigkeit stark eingeschränkt. Rein rechtlich steht die Gesellschaft nicht mehr im Eigentum der BGB, sondern im Besitz der Firma Greico auf den Cayman-Inseln. Da sich kein Investor für die Greico fand, muss das Geldhaus die IBAG nun "zurückkaufen". Dazu benötigt die BGB das frische Kapital. Weil das Geld nicht fließt, muss die IBAG aus laufenden Verträgen aussteigen. Sie verkauft erworbene Immobilien: Ein Einkaufszentrum in Pankow, ein Mövenpick-Hotel in Frankfurt am Main, ein Einkaufszentrum in Gießen - dabei ist von "beträchtlichen Volumina" die Rede.

Experten zufolge zehren diese "Notverkäufe" an der IBAG-Substanz. Deren Bestand an Vorratsimmobilien soll einen Buchwert von sechs Milliarden Mark haben. Hier seien Korrekturen von zehn Prozent zu erwarten. Auch bei bereits aufgelegten Immobilien-Fonds der BGB fehlt es an einer präzisen Bestandsaufnahme der Risiken. Die jüngst erhöhten Wertberichtigungen der von der IBG verwalteten Fonds folgten auf eine Korrektur der rechnerischen Inflationsrate. Die bei den Fonds-Immobilien liegenden Vermietungs-Risiken seien damit nicht abgedeckt. Zum Teil sind in den Fonds "Spezial-Immobilien" untergebracht: Baumärkte, Seniorenstifte und Kaufhäuser auf der grünen Wiese. Solche Bauten sind passgenau auf den Mieter zugeschnitten und bei Konkurs oder Auszug des Nutzers nur schwer an Dritte zu vermieten. Einige Verträge wie im Fall der Baumärkte der Firma Hornbach - deren Aufsichtsratsvorsitzender der Bankgesellschafts-Chef Wolfgang Rupf ist - laufen nur 15 Jahre. Der Fonds, in den die Märkte eingingen, garantiert jedoch für 20 Jahre die Mieteinnahmen. In diesem und ähnlichen Fällen könnten der Bank nach Ablauf der Mietverträge Verluste drohen.

Laut Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen waren die bisher notwendigen vier Milliarden Mark Rückstellungen Ergebnis der "Querschnittsprüfungen des Kreditgeschäfts" von Berlin-Hyp, Landesbank Berlin und Bankgesellschaft Berlin. Dabei untersuchten Wirtschaftsprüfer die 29 größten Einzelengagements sowie die Höhe der in der Bank zuvor ermittelten Wertberichtigungen. Die Folge war die bereits erwartete Korrektur der Risiken um rund 540 Millionen Mark nach oben. Dies erhöht den seit März bekannten Milliarden-Bedarf der BGB: Bei der Fonds-Tochter IBG fehlen 1,5 Milliarden Mark zur Risikovorbeugung; nach dem geplatzten IBAG-Verkauf setzten die Gutachter deren Wert um 600 Millionen Mark herab; der zur Gesamtsumme von vier Milliarden hinzukommende Restbetrag von gut einer Milliarde Mark entfällt auf andere Kreditrisiken.

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