Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Ein Banker zeigt Kampfeswillen

Daniel Rhee-Piening

Es ist eher selten, dass Wolfgang Rupf einmal lauter wird, dass er kämpferisch in den Ring tritt. Am Freitag war ein solcher Tag gekommen. Der sonst zurückhaltende, eher leise redende Banker trat betont locker vor die Runde der Journalisten. Er strahlte Gelassenheit aus und wollte offenbar deutlich signalisieren: Ich kann auf meine Arbeit stolz sein, und ich lasse mich so leicht nicht unterkriegen. Der 58jährige Schwabe will es noch einmal wissen.

Bei den Zahlen der Bilanz ist Rupf in seinem Element. Hier erkennt man den erfahrenen Banker. Rupf entschied sich nach dem Abitur in Heidenheim für ein Banklehre bei der der Bayerischen Vereinsbank. Weitere Stationen waren Mitglied im Vorstand der Effectenbank Warburg sowie die zehn Jahre als persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter der Frankfurter BHF-Bank. In deren Inhaberkreis rückte er 1985 auf. Die komplizierten Strukturen des Konzerns der Bankgesellschaft hat Rupf vor seinem geistigen Auge, mit den Positionen der Bilanz kann er jonglieren. Mitunter geht es durcheinander: D-Mark Beträge wechseln ständig mit Euro-Beträge ab. So machen dies derzeit viele Banker. Und der Beobachter rätselt: Liegt es an der Umstellung oder steckt ein System dahinter? Positive Betriebsergebnisse klingen halt in D-Mark besser, Risikovorsorge wird lieber in Euro bekannt gegeben.

Vorsichtig wird Rupf, wenn es um Menschen geht. Am Freitag fielen nur wenige Worte über ehemalige Vorstände aus dem für ihn üblichen Rahmen und die Frage, ob er rabiater hätte vorgehen sollen, hatte sich vermutlich nach Lektüre der Kommentare in den Zeitungen gestellt. In der Presse wird Rupf häufig als eher abwartend und zögerlich beschrieben. Vielleicht schwäbische Eigenschaften, die den Berlinern auffallen. Aber auch Mitarbeiter aus seinem Umfeld bestätigen, dass er schnell seine Meinung ändern kann, was ihm nicht immer als Flexibilität ausgelegt wird. Doch bei der Bankgesellschaft ist mehr denn je Dynamik und entschlossenes Handeln gefordert. Das weiß Rupf seit er 1996 vom damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Edzard Reuter als Krisenmanager an die Spree geholt wurde. 1997 trat Rupf sein Amt zunächst als Vorstandssprecher an. Vor ihm lag eine gewaltige Aufgabe. Mehr als sieben Milliarden Mark mussten in seiner Amtszeit für Wertberichtigungen verdient werden. Vielleicht musste Rupf zu viel Energie für diese Aufgabe verwenden. Die Umstrukturierung des Konzerns und damit an die Beseitigung auch der personellen Gründe für die ständigen Fehlleistungen im Konzern konnte der Vorstandsvorsitzende erst vom Oktober 1998 richtig in Angriff nehmen, nachdem die Fusionsverhandlungen mit der Norddeutschen Landesbank vom Tisch waren.

Mit den Besonderheiten der Berliner Politik war Rupf wohl nicht so vertraut, doch er interessiert sich für Geschichte und zitiert gerne antike Philosophen. Dort müsste er sich eigentlich das nötige Rüstzeug holen können. Körperlich fit hält sich Rupf beim skifahren, und Skifahrer wissen, wie wichtig es sein kann, richtig zu stürzen, um unbeschadet weiterfahren zu können. Doch zum skifahren wird Rupf in diesem Jahr wohl kaum kommen.

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