Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Eine Bank am Abgrund

Daniel Rhee-Piening

Was zunächst nach einem der üblichen Skandale der Bankgesellschaft Berlin aussah, droht mehr und mehr zu einer Belastung der Wirtschaftsregion zu werden. Wie schon zu Zeiten der Antes-Affäre in den 80er Jahren geraten die Berliner wieder in der Ruf, im Korruptionsdschungel zu stecken und das Geld anderer aus dem Fester zu werfen. Für das Image der Stadt und ihrer Eliten aus Wirtschaft und Politik ist das bitter. Doch auch die rein wirtschaftliche Seite ist beängstigend. Das weit und breit größte Kreditinstitut droht als Geschäftspartner auszufallen. Zum einen mangelt es der Bankgesellschaft an Personal. Vorstände werden abberufen oder müssen freiwillig gehen. Und bis Nachfolger gefunden und berufen sind, vergeht aus naheliegenden Gründen Zeit. Welcher renommierte Banker will wohl an der Spitze eines solchen Unternehmens stehen? Die gemeinen Mitarbeiter des Konzerns dürften in diesen Tagen nicht gerade durch besondere Motivation auffallen. Den Gewerkschaften zufolge gleicht die Arbeit an den Bankschaltern inzwischen einem Spießrutenlaufen. Auch das wäre eine schlimme Entwicklung für das Bankhaus, wenn die Corporate Identity verloren ginge, die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Institut. Und schließlich wird das Eigenkapital der Bankgesellschaft knapp. Sollten tatsächlich neue Risiken auftauchen und sollte schließlich mehr Eigenkapital durch die Großkredite an die konzerneigenen Fondsgesellschaften gebunden sein, fehlt Geld für Kredite an die Wirtschaft. Aber womöglich haben die Unternehmen sich ja längst eine andere Bank gesucht, weil man mit den Bankgesellen nicht mehr ordentliche Geschäfte machen kann.

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