Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Filetstückchen und Immobilienschrott

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Unter dem Dach der Bankgesellschaft Berlin (BGB) befinden sich eine Reihe von öffentlich-rechtlichen und privaten Banken. Ziel und Zweck dieser 1994 geschaffenen Holding-Struktur war es, die öffentlich-rechtliche Landesbank Berlin und die privatrechtlich organisierte Berliner Bank zusammenzulegen und eine schlagkräftige Großbank zu schaffen. Jetzt wird über die Abgabe der Landesmehrheit und die Zerteilung des Konzerns und den Verkauf einzelner Teilbanken diskutiert. Dazu zählen:

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Die Landesbank Berlin (LBB) ist eine hundertprozentige Tochter der Bankgesellschaft Berlin. Als Landesbank unterstützt sie die regionalen Sparkassen sowie das Land beziehungsweise die Kommunen. Anders als viele der bundesweit elf Landesbanken ist bei der LBB die Berliner Sparkasse direkt integriert. Zur LBB gehört außerdem die IBB, die Förderbank des Landes. Darüberhinaus bietet die LBB als Universalbank die ganze Palette von Bankdienstleistungen vom Wertpapier- über das Firmenkunden- bis zum Immobiliengeschäft. Gerade im Immobilienbereich kam die Bank in eine ziemliche Schieflage. Der Wertberichtigungsbedarf liegt hier mittlerweile bei 179 Millionen Euro. Dennoch wird die Landesbank für das Jahr 2000 wohl ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften.

An einem Einstieg bei der Landesbank haben bisher vor allem Teile der öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Finanzgruppe Interesse gezeigt: "Wir wollen, dass die Berliner Sparkasse und die LBB in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft bleibt", versicherte Christian Achilles vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband noch einmal gegenüber dem Tagesspiegel. Möglich sei etwa eine größere Beteiligung von Landesbanken, der Einstieg von Sparkassen oder der DGZ Deka-Bank. Auch der Präsident des ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Rainer Voigt, hatte jüngst gesagt, dass man alles tun werde, damit in Berlin kein "weißer Fleck" in der Sparkassenlandschaft entstehe.

Berliner Sparkasse

Die Berliner Sparkasse ist anders als in anderen Bundesländern keine rechtlich selbstständige Bank, sondern Teil der Landesbank. Mit ihren zahlreichen Filialen im Stadtgebiet hat sie im Privatkundengschäft eine Marktdurchdringung von rund 60 Prozent und zählt zu den Filetstücken im Konzern.

Investitionsbank IBB

Die Investitonsbank IBB ist die Förderbank des Landes Berlin. Auch sie ist Teil der Landesbank Berlin. Wie in anderen Bundesländern wird das reine Fördergeschäft als eine eigene wirtschaftlich und organisatorisch selbstständige Anstalt öffentlichen Rechts geführt. Zu ihren Hauptaufgaben zählt die öffentliche Förderung von Wohneigentum durch Vergabe zinsgünstiger Kredite. Außerdem unterstützt sie Existenzgründer und junge Unternehmen. Als strukturpolitisches Instrument des Landes wird sie wohl kaum zum Verkauf stehen.

Berlin Hyp

Die Berlin Hyp ist die Hypothekenbank im Konzern. Sie vergibt Immobiliendarlehen und refinanziert sich durch die Ausgabe von Pfandbriefen. Das Institut geriet in den vergangenen Wochen - nicht zuletzt wegen dubioser Geschäfte ihres früheren Vorstandschefs Klaus Landowsky - und insgesamt schlechter Immobiliengeschäfte in die Schlagzeilen. Der Wertberichtigungsbedarf ist mittlerweile auf 255 Millionen Euro gestiegen. Die Bank wird Gerüchten zufolge für 2000 einen Verlust von 500 Millionen Euro ausweisen müssen. Zudem war der Vorstand Zielscheibe scharfer Kritik vom Chef der Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred), Jochen Sanio. Drei Mitglieder mussten gehen. Angsichts dieser Lage dürfte das Beteiligungs-Interesse an der Bank gering sein.

Berliner Bank

Die Berliner Bank gehört zu 100 Prozent der Bankgesellschaft Berlin und damit mehrheitlich dem Land, ist aber seit jeher privat-rechtlich organisiert. Nachdem die Bank Mitte der 90er Jahre einen Wertberichtigungs-Bedarf in Milliarden-Höhe bilden musste, wurde sie mit dem Konzern verschmolzen. Seither existiert sie nur noch als "Marke" mit ihren Filialen. Die schlechte wirtschaftliche Lage bei Berliner Unternehmen hat auch bei ihr Spuren hinterlassen. Für Käufer ist sie deshalb weniger interessant. Begehrlichkeiten dürfte der Kundenstamm der Bank wecken.

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Die Weberbank ist eine kleines, exquisites Bankinstitut im Bankkonzern. Sie kümmert sich um die vermögenden Privatkunden und ist in diesem Geschäft erfolgreich. Sie blieb bisher von der Krise unberührt und gilt deshalb als Sahnstückchen im Konzern.

Allgemeine Privatkundenbank

Die Bank sollte schon früher einmal verkauft werden, da die Bankgesellschaft mit der Berliner Sparkasse und der Berliner Bank schon genügend im normalen Privatkundengeschäft vertreten ist. Bisher konnte für die relativ kleine Bank offenbar aber kein entsprechender Preis erzielt werden.

IBAG

Unter dem Dach der IBAG sind alle Immobilien-Töchter der Bankgesellschaft versammelt. Zuvor waren sie bei der IBG und wurden Ende 2000 in die IBAG ausgegründet. Sie sollte für mehr als zwei Milliarden Mark an ausländische Investoren verkauft werden. Doch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen nahm Anstoß an der Transaktion, weil die BGB den Kaufpreis mit Krediten vorfinanziert hatte. Das Geschäft platzte. Das hatte verheerende Folgen, denn aus dem Verkaufserlös wollte die BGB Milliarden-Risiken aus Fonds-Geschäften der IBG abdecken. Der Bankkonzern hatte den Fonds-Anlegern weit reichende Garantien gegeben und drohende Risiken unterschätzt. Nun fehlt das Geld für die Rücklagen. Unterdessen ist die IBAG weitgehend lahmgelegt, weil die BGB ihr kein Kapital bereitstellt. Da die derzeitige Krise der BGB mit dem geplatzten IBAG-Geschäft und den IBG-Milliarden-Risiken begann, herrscht unter Investoren Misstrauen gegenüber der IBAG.

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