Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Keine schnelle Hilfe

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Ein Engagement des Sparkassensektors oder auch seines Hauses bei der Bankgesellschaft Berlin kommt für Walter Schäfer, Vorstandschef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), allenfalls dann in Frage, wenn alle Risiken offengelegt und die Schulden getilgt sind. "Alle wirtschaftlichen Probleme müssen vorher durch die derzeitigen Eigentümer glattgestellt werden", sagte Schäfer am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. Auch an einen Einstieg der DGZ-Deka-Bank, der Fondsgesellschaft der Sparkassen, sei erst dann zu denken. Nach Ansicht von Schäfer haben die Probleme in Berlin eine "fassungslose" Dimension. "Das ist ein ziemlich dramatisches Problem für die deutsche Kreditwirtschaft allgemein".

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Die Helaba, die in den siebziger Jahren selbst in eine schwere Krise gerutscht war, ist bisher in mögliche Überlegungen zur Rettung der Bankgesellschaft Berlin nicht direkt eingebunden. Als Miteigentümer der DGZ-Deka-Bank ist Schäfer allerdings eng mit dem Problem vertraut. Die Höhe der gesamten Schulden und Lasten der Bankgesellschaft seien immer noch nicht klar. "Wir brauchen volle Transparenz". Zu den aktuellen Verlusten muss nach Ansicht von Schäfer noch addiert werden, was in den letzten sechs Jahren passiert ist. Zudem hält er es für einen "einmaligen Vorgang", wie über die Bankgesellschaft private Verluste "sozialisiert" worden seien. Erst wenn das Land Berlin und die Nord LB als Anteilseigner der Bankgesellschaft die Löcher geschlossen hätten, könnten Dritte einspringen. "Dann allerdings wäre die Hilfe des Sparkassensektors absolut notwendig."

Die Helaba selbst erlebt derzeit zur Freude Schäfers eine relativ risikoarme Zeit. Im vergangenen Jahr konnte das Betriebsergebnis um fast zehn Prozent auf 252 Millionen Euro und damit auf den zweitbesten Wert in der Geschichte der Bank gesteigert werden. Damit liege, so Schäfer, die Eigenkapitalrendite bei 15 Prozent und über dem Durchschnitt der großen Landesbanken. Im ersten Quartal stieg das Betriebsergebnis um weitere drei Prozent auf 64,6 Millionen Euro. Im gesamten Jahr will die Bank das Ergebnis des Vorjahres wieder erreichen, auch wenn das nach Ansicht des künftigen Vorstandschefs Günther Merl eine sportlich hohe Meßlatte ist. Merl löst Schäfer am 1. Juli ab, der dann nach über 18 Jahren im Vorstand, davon fünf Jahre als Vorstandschef, in den Ruhestand geht.

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