Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Mehr als 4100 Stellen sollen gestrichen werden

Ralf Schönball

Der Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Rupf, plant für die kommenden Jahre einen weit größeren Personalabbau als bisher bekannt. Obwohl eine Vereinbarung mit den Gewerkschaften betriebsbedingte Kündigungen nicht erlaubt, sehen die Pläne für eine Restrukturierung der Bankgesellschaft Berlin die Kürzung von 4164 der derzeit 15 564 Stellen bis 2005 vor. Dies geht aus dem zur Aufsichtsratssitzung am vergangenen Sonntag vorgelegten Sanierungsplan hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Der Personalabbau betrifft nach diesen Plänen vor allem den so genannten Retail-Bereich, also das Schalter- und Kundengeschäft bei Landesbank Berlin und Berliner Bank. Hier sollen bis 2005 rund 1485 von derzeit 10 186 Stellen wegfallen. Erstaunlich ist allerdings, dass daraus keine nennenswerte Senkung der Kosten folgt: Die Personalaufwendungen von rund 1,158 Milliarden Mark sollen auf "nur" 1,106 Milliarden Mark im Jahr 2005 sinken.

Kündigungen sowie Auflösungsverträge mit Angestellten soll es auch im zweiten Geschäftsbereich Immobilien geben. Beachtlich hier: Obwohl Immobilien-Kredite und Immobilien-Fonds-Geschäfte wesentlich zur aktuellen Schieflage des Konzerns beitrugen, werden von den heute 784 Stellen nur 51 wegfallen. Von der angekündigten "Rückführung" des Engagements ist wenig zu erkennen. Dasselbe widersprüchliche Bild bietet die Planung für den Kapitalmarkt-Bereich. Auch hier wollte sich die Bank auf "ertragsreiche Produkte" beschränken, so die Ankündigung. Von Einschränkung beim Personal ist aber nichts zu erkennen: Die 149 Stellen sollen bis 2002 auf 165 steigen, um bis 2005 wieder auf 141 abgebaut zu werden.

Grafik: Strukturplan der Bankgesellschaft Berlin Das Konzept, das der Aufsichtsrat am Sonntag ausdrücklich nur "gebilligt" und nicht vorbehaltlos mit getragen hat, bietet denn auch nach Ansicht von Kritikern kaum Ansätze für einen grundlegenden Richtungswandel in dem Konzern: Zum Beispiel geht Rupf davon aus, dass nicht einmal im Immobilien-Geschäft in den kommenden Jahren nennenswerte Risiken mehr auftreten werden, die die Bank zu höheren Rückstellungen zwingen könnten.

Optimistisch sind die Banker auch bei ihren Prognosen für das Kapitalmarktgeschäft. Hier erwirtschafteten die Bankgesellen ihre Umsätze vor allem mit dem Handel an den internationalen Märkten und Rentenpapieren. Dadurch blieb viel Kapital gebunden. Um das Kapital "zurückzuführen" sollen künftig mehr Umsätze mit riskanten Termingeschäften erfolgen. Dabei soll sich das Ergebnis bereits 2002 Jahr fast verdoppeln und dann auf hohem Niveau stabilisieren. Dieses Szenario gilt unter Bankinsidern als "blauäugig", da der Handel mit Optionen und Derivaten auch bei spezialisierten Brokerhäusern großen Schwankungen unterliege. Aus Sicht der Kritiker bestätigen die Planungsrechnungen keineswegs den angekündigten Kurswechsel der Bankgesellschaft, sondern vielmehr eine Fortführung der Geschäfte mit höherem Risiko.

Die schärfste Kritik erntet das Konzept bei Insidern jedoch für die Prognosen für die Entwicklung im Immobilien-Bereich. Hier gehen die Vorstände unter Wolfgang Rupf davon aus, dass mit den im Laufe dieses Jahres aufgedeckten Kredit-Risiken die Sanierung des Konzerns so gut wie abgeschlossen ist. Ab 2002 sollen riskante Kredit-Geschäfte höchstens zu einer Vorsorge von 200 Millionen Mark zwingen - nach 2,4 Milliarden Mark in 2000.

Scharfe Kritik üben Bankinsider ferner an der für den Immobilien-Bereich geplanten Rendite. Für die Milliarde Mark, die das Land in diesen Geschäftsbereich pumpen muss, müssen die Anteilseigner im Jahr 2005 mit einer Verzinsung von 0,9 Prozent vorlieb nehmen. Diese Minimal-Rendite bei hohem Risiko wirft die Frage nach dem Sinn der Kapitalerhöhung auf. Von dem ursprünglich geplanten Verkauf des Immobilien-Bereichs, zu dem im Wesentlichen die angeschlagene Berlin Hyp sowie die Töchter des Konzerns IBG / IBAG gehören, ist die Konzernführung abgerückt. Der im Konzept vorgesehene "mittelfristige Abbau des gesamten Portfolios" verschiebt sich weit über 2005 hinaus.

Dass der Aufsichtsrat am vergangenen Sonntag in dem Konzept eine "gute Grundlage" für die Sanierung des Konzerns erkannte, honoriert vermutlich das Versprechen des Vorstands, "Kernkapital freizusetzen". Anders ausgedrückt: Die vier Milliarden Mark, die die Anteilseigner dieses Jahr in die Bank einlegen müssen, sollen bis 2005 zumindest teilweise an die Eigentümer zurückfließen. Ganz freiwillig erfolgt dies nicht: Die Europäische Union verlangt die Rückzahlung, da die Kapitalspritze sonst als "nicht genehmigungsfähige Beihilfe" nach EU-Richtlinien verboten würde.

Nach diesen Plänen soll der Eigenkapitalbedarf im Immobilien-Bereich um bis zu zwei Milliarden Mark innerhalb von drei Jahren sinken und im Kapital-Marktgeschäft um bis zu drei Milliarden Mark. Insgesamt sieht der Sanierungsplan bis 2005 eine Rückzahlung von rund 2,6 der 2001 benötigten vier Milliarden Mark vor, teils als Ausschüttungen von Gewinnen, teils als Freisetzung gebundenen Eigenkapitals. Voraussetzung dafür ist, dass die hohen Risiken nicht akut werden und einen neuen Störfall im Konzern auslösen.

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