Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Mitglieder aus Führungsgremien sollen gelogen haben

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Mitglieder aus den Führungsgremien der Bankgesellschaft oder ihrer Beteiligungsgesellschaften haben in der Vergangenheit möglicherweise Wirtschaftsprüfern unvollständige oder gar falsche Auskünfte gegeben haben. Wie der Tagesspiegel am Mittwoch aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sollen Wirtschaftsprüfer in der Vergangenheit nach so genannten Haftungsfreistellungserklärungen gefragt und negative Antworten bekommen haben.

Beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Bonn stehe deshalb derzeit auch nicht mehr die mögliche Überschreitung von Kreditobergrenzen im Vordergrund der Prüfungen, sondern die Zuverlässigkeit einzelner Banker, hieß es. Genannt werden in diesem Zusammenhang die Namen der beiden Vorstandsmitglieder der Landesbank Berlin, Ulf-Wilhelm Decken und Jochem Zeehlen, sowie Jürgen Noack, Vorstandsmitglied der Berlin Hyp. Selbst die Abberufung beziehungsweise der Rücktritt des gesamten Vorstandes der Landesbank wurde am Mittwoch nicht mehr ausgeschlossen.

Beim Bundesaufsichtsamt wollte man sich zu den Meldungen nicht äußern. Die Prüfung möglicher Verletzungen des Kreditwesengesetzes werde eine langwierige Angelegenheit, hieß es nur. Das Amt müsse sich durch ganze Berge von Akten arbeiten, hieß es von Mitarbeitern, die die zögerliche Herausgabe der Unterlagen bemängelten.

Auch bei der Bankgesellschaft mochte man auf Personalfragen keine Antworten geben, sondern verwies auf die heutige Aufsichtsratssitzung der Landesbank. Immer noch nicht geklärt ist offenbar auch die Frage, ob es bei den bisher publik gewordenen drei Haftungsfreistellungen für Komplementäre der IGB-Fonds bleibt. Dem Vernehmen nach sind insgesamt 15 Komplementäre angeschrieben worden, nicht alle sollen bisher geantwortet haben. Für die Bankgesellschaft entstünden aber durch die Freistellungserklärungen keine zusätzlichen Risiken, hieß es. Das Fondsgeschäft ist inzwischen auf die IBAG übergegangen, die an internationale Investoren verkauft werden soll. Auch dies ist allerdings mit gewissen Vorbehalten verbunden. Berlins Finansenator Peter Kurth, der auch im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft sitzt, hatte das Geschäft zuletzt in der vorgesehenen Form in Frage gestellt. Unklar ist damit auch, ob bei der IBG alt, die im Konzern verbleibt, wie vorgesehen, Rückstellungen von rund zwei Milliarden Mark für Risiken aus dem Fondsgeschäft gebildet werden können.

Ungeachtet der Turbulenzen legte die Bankgesellschaft am Mittwoch vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 vor. Diese sind jedoch mit der Einschränkung versehen, auf Grund "verschiedener Sonderprüfungen durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Immobiliengeschäft kann die erforderliche Risikovorsorge noch nicht endgültig beziffert werden". Sicher sei schon heute, dass die Hauptversammlung verschoben werden müsse.

Sollte es bei den Zahlen bleiben, ist das Betriebsergebnis im Konzern vor Risikovorsorge um 28,4 Prozent auf 762 Millionen Euro gesunken. Der Zinsüberschuss ging um 18,4 Prozent auf 16 Milliarden Euro zurück. Erfolge erzielte die Bankgesellschaft beim Verwaltungsaufwand. Dieser konnte trotz "erheblicher Aufwendungen für das Electronic Banking" leicht um 0,4 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro gesenkt werden.

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