Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Ohne Landeshilfe zwei Milliarden Verlust

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Ohne die Hilfe des Landes hätte die Bankgesellschaft Berlin im vergangenen Jahr einen Verlust von zwei Milliarden Euro erwirtschaftet. Weil das Land Berlin jedoch Immobilienrisiken abdeckt, wird die Bank "voraussichtlich eine ausgeglichenes Ergebnis ausweisen", teilte die Bankgesellschaft am Freitag anläßlich einer Aufsichtsratssitzung mit. Im Rahmen der Sanierung soll der Konzern auf die Maße eine Regionalbank mit den Marken Berliner Bank und Berliner Sparkasse zurückgestutzt werden.

Die zwei Milliarden Verlust, die das Land der Bank erspart, hängen vor allem mit Immobilienrisiken zusammen. Normalerweise müsste die Bank auf Grund der Verluste im Immobilienbereich dafür Rückstellungen bilden. Da aber das Land eine so genannte Abschirmungsvereinbarung eingehen will, braucht die Bank diese Rückstellungen in Milliardenhöhe nicht zu bilden und kann also mit einer "schwarzen Null" das Jahr 2001 abschließen. Auf der anderen Seite wird das Land Berlin durch die Risikoabschirmung nicht unmittelbar belastet, weil es keine Bilanz aufstellt und dementsprechend keine Rückstellungen vornehmen muss. Bis 2030 steht Berlin für die Immobilienrisiken ein und hat dafür bislang insgesamt 3,73 Milliarden Euro veranschlagt. Diese 3,73 Milliarden Euro sind also gewissermaßen die Rückstellungen des Landes für die Immobiliengeschäfte der Bankgesellschaft; wie viel von diesen Risiken tatsächlich fällig werden, weiß niemand. Jedenfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass es auch mehr sein können.

Der 2001 ohne die Landeshilfe angefallene Fehlbetrag von rund zwei Milliarden Euro ist indes nicht allein auf Immobilienrückstellungen zurückzuführen. Vielmehr hat die Bank im operativen Geschäft einen Verlust von rund 500 Millionen Euro erwirtschaftet. Für das laufende Jahr rechnet die Bank nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen mit einem operativen Verlust von rund 100 Millionen Euro. Diese Prognose sei glaubwürdig, so heißt es, weil unter dem neuen Vorstandssprecher der Bank, Hans-Jörg Vetter, alle Risiken berücksichtigt würden. Der 49-jährige Vetter folgte im Dezember auf den ziemlich unglücklich agierenden Wolfgang Rupf. Vetter muss die Bank vor allem verkaufsfähig machen. Zu den Interessenten gehören die Sparkassen unter Führung der NordLB sowie die US-Investoren Texas Pacific Group und der Investmentbanker Christopher Flowers. Das Angebot der Berliner Volksbank, die Berliner Bank zu übernehmen, lehnt die Bankgesellschaft ab.

Das Institut teilte am Freitag ferner mit, bis Ende März werde eine Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern "über eine Personalkostensenkung im Umfang von 300 Millionen Euro" angestrebt. Neben der Risikoabschirmung durch das Land seien die Einsparungen beim Personal "eine wesentliche Voraussetzung für die Sanierung des Konzerns". Zum Jahresabschluss 2001 schreibt die Bank, das Ergebnis sei geprägt worden durch "Sonderfaktoren". Dazu gehört die Auflösung von Rückstellungen für Immobilienrisiken und die Bildung von Rückstellungen für Sanierungsmaßnahmen. "Die vorgeschriebenen Eigenkapitalquoten werden deutlich überschritten", kommentiert die Bank den eigenen Jahresabschluss.

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