Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Parion lehnt Angebot der Texas Pacific ab

dr/mic

Die Versicherungsholding Parion, die 2,1 Prozent an der Bankgesellschaft Berlin hält, wird keine Verhandlungen mit der neuen Investorengruppe Texas Pacific Group (TPG) aufnehmen. "Wir haben uns auf die Flowers-Gruppe festgelegt," sagte der Vorstandsvorsitzende von Parion, Wolfgang Peiner am Mittwoch gegenüber dem Tagesspiegel. Das Konzept von Flowers sei überzeugend. Das Angebot der TPG habe ihn überrascht, so Peiner weiter, denn er könne sich überhaupt nicht vorstellen, auf welcher Grundlage es abgegeben worden sei. Seit Monaten würden die Mitarbeiter von Flowers in den Data Rooms der Bankgesellschaft sitzen und dort die Zahlen prüfen, sie hätten dort aber nie jemanden von der TPG gesehen.

Die TPG Group hatte am Montag als dritter Interessent Kaufabsichten angemeldet. Eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen bestätigte am Dienstag, die TPG habe ihr Interesse bekundet. Der Senat verhandelt sowohl mit den öffentlich-rechtlichen als auch privaten Interessenten über die Sanierung der Bankgesellschaft.

Die TPG habe dem Land Berlin angeboten, dessen knapp 81-Prozent-Anteil für mindestens 1,75 Milliarden Euro zu übernehmen und die Bank in ihrer jetzigen Form fortzuführen, sagte TPG-Managing-Director Stephen Peel am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach Peels Worten soll die Bank über Wachstum zurück in die Profitabilität geführt werden. Dies könne schon innerhalb eines Jahres passieren, so Peel weiter. Ziel der Texaner ist es, die durch riskante Immobiliengeschäfte in die Schieflage geratene Berliner Bankgesellschaft, in drei bis fünf Jahren vollständig zu sanieren. Alle Geschäftsfelder sollen so lange mit einem kleineren Personalstamm weiter geführt werden. Die Texas Pacific Group (TPG) ist eine amerikanische private Beteiligungsfirma mit Büros in Fort Worth, San Francisco, Washington und London. Sie wurde 1993 von dem Finanzspezialisten David Bonderman gegründet und verwaltet nach eigenen Angaben derzeit rund sieben Milliarden Dollar. Die US-Gesellschaft hält weltweit 40 Unternehmens-Beteiligungen, die zusammen mehr als 25 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften und über 180 000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Texas Pacific Group gehört zu den zehn grössten Private-Equity-Gesellschaften der Welt. In Europa ist die Gruppe mit bisher rund 1,7 Milliarden Dollar investiertem Eigenkapital der führende US-Investor. Das Konzept der TPG ist es, die Kontrolle über in Not geratene Firmen zu erlangen, sie zu sanieren, und dann nach fünf bis sieben Jahren wieder über die Börse oder an Investoren direkt zu verkaufen. Sie war in den vergangenen Jahren an einigen spektakulären Firmentransaktionen und Sanierungen beteiligt, so zum Beispiel beim Motorradhersteller Ducati oder der Fluglinie Continental Airlines. Anfang des Jahres investierte die TPG 400 Millionen Dollar in den deutschen Technologiekonzern Gemplus, die bisher 12. Investition der Gruppe in Europa. Zuletzt machte der US-Finanzinvestor mit dem Kauf der Eon-Tochter MEMC in Deutschland Schlagzeilen.

Auch im Bankbereich verweist das Unternehmen bereits auf einige Erfahrung. So engagierte sich die TPG unter anderem bei der American Savings Bank und der Korea First Bank. Die koreanische Privatbank führte die TPG nach kürzester Zeit wieder in die Gewinnzone zurück, auch bei der America Savings Bank gelang nach zwei Jahren die Wende. Eine Entscheidung zur Zukunft der Bankgesellschaft muss spätestens zum Jahresende fallen, denn bis Ende Januar muss bei der EU-Kommission ein detailliertes Sanierungskonzept vorliegen.

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