Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Rating-Agentur Moodys prüft die BGB

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Die Verschiebung der ursprünglich für Sonntag geplanten Aufsichtsratssitzung der Bankgesellschaft Berlin (BGB) zögert die Sanierung des angeschlagenen Kreditinstituts weiter hinaus. Nicht nur, dass BGB-Vorstandschef Wolfgang Rupf bis zur nächsten Sitzung des Kontrollgremiums - voraussichtlich Anfang Juli - keine Bestätigung für die Neuausrichtung des Konzerns und die geplanten Personalmaßnahmen erhält. Die Verzögerung wirft auch an den internationalen Kapitalmärkten ein negatives Licht auf die Bankgesellschaft.

Zum Thema Online Spezial: Finanzkrise in Berlin Die Glaubwürdigkeit an den Finanzplätzen in Zukunft nicht zu verspielen, ist für die Sanierungsfähigkeit des Berliner Bankkonzerns allerdings entscheidend. Denn neben dem Privatkundengeschäft von Sparkasse und Berliner Bank schöpft die BGB einen beachtlichen Teil ihres Ergebnisses aus dem Wertpapier-, dem so genannten Wholsale-Geschäft. Und gerade in umsatzschwachen Börsenzeiten kann es sich die Bank nicht leisten, zu schlechteren Bedingungen Kredite aufzunehmen und auf Margen im Wertpapiergeschäft zu verzichten.

Mit Spannung erwartet wird deshalb ein für Juli/August avisiertes Neu-Einstufung von Bankgesellschaft und Landesbank LBB durch die Rating-Agentur Moodys. Moodys beobachtet seit Mitte der neunziger Jahre BGB und LBB intensiv und gibt durch Ratings den Teilnehmern am internationalen Kapitalmarkt Hinweise über die Bonität der Banken. Bereits zum Jahresanfang stuften die Analysten von Moodys beide Bankhäuser von "stabil" auf "negativ" zurück. Seither werden LBB und Konzern intensiv geprüft. Vor drei Wochen wurden die Banken zum ersten Mal heruntergestuft: Die so genannten Strength Ratings, die Angaben über die Finanzkraft von Banken geben, wurden bei der Landesbank von C+ auf C- herabgesetzt, bei der BGB von C- auf D-. Ein Herabstufen der viel wichtigeren Longterm-Ratings AA2 (LBB) und A1 (Bankgesellschaft) in wenigen Wochen wird bei Moodys nicht für ausgeschlossen gehalten. Zwar steht die öffentliche Hand als Gewährträger hinter dem Bankkonzern. Doch auch den Analysten in London ist die schwierige finanzielle Situation des Landeshaushaltes nicht entgangen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat Moodys erst drei Mal Banken mit öffentlichen Eigentümern neu eingestuft. Darunter war 1989 die LBB, die von AA1 auf AA2 heruntergestuft wurde.

Wie aus der Bank zu hören ist, stockt wegen der fehlenden strategischen Entscheidungen auch das laufende Kostensenkungsprogramm. Bis zum Jahresende sollten rund 1600 Stellen im Konzern abgebaut werden. Noch zur Aufsichtsratssitzung am 16. Februar hatte der Vorstand ein "Aubbaupotential" von 1224 Mitarbeitern ausgemacht. Dies geht aus einem Protokoll hervor, das dem Tagesspiegel vorliegt. Zum damaligen Zeitpunkt wollten die Banker die zur Streichung vorgesehenen Stellen jedoch noch nicht den jeweiligen Teilbanken zuordnen, weil dazu bereits die "individuelle Benennung von einzelnen Mitarbeitern" erforderlich gewesen wäre. Dies hatten die Verantwortlichen noch nicht durchgeführt, weil die "erforderlichen Gespräche mit den Mitbestimmungsgremien" nicht erfolgt waren. Bis heute seien nicht einmal 100 der 1600 Stellen gestrichen worden, hieß es in der Bank. Bis Ende 2004 sind im Konzern betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

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