Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Wer bekommt die BGB?

Daniel Rhee-Piening

In die Verhandlungen über die Zukunft der Bankgesellschaft Berlin AG ist Bewegung gekommen. Mögliche Investoren gehen nun mit konkreten Vorschlägen in die Verhandlungen mit Berlins Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD). Doch die Verhandlungen werden dauern, ein Vertragsabschluss noch vor dem Wahltermin am 21. Oktober erscheint wenig wahrscheinlich. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen.

Was das Land will

Die Struktur der Bankgesellschaft muss geändert werden, darüber herrscht Einvernehmen unter den großen Berliner Parteien. Der künftige Konzern soll eine Bank mit einer klaren Führungsstruktur sein. Darunter sollen drei Säulen stehen. Das Retailgeschäft mit den Privatkunden und den kleineren Firmenkunden, das Whole-Sale-Geschäft und schließlich der Immobilienbereich. Einigkeit herrscht, dass die Bankgesellschaft künftig nicht mehr im operativen Immobiliengeschäft tätig sein soll. Doch Krajewski ist sich auch darüber im Klaren, dass Einzelheiten mit einem Investor verhandelt werden müssen. Einige Bedingungen aber hat das Land bereits formuliert. Der Konzern Bankgesellschaft darf nicht zerschlagen werden. Der Firmensitz muss in Berlin bleiben und Arbeitsplätze müssen im Rahmen des Möglichen erhalten werden. Schließlich will Krajewski ihr Geld zurück. Gemeint sind jene fast zwei Milliarden Euro, die Berlin bei der gegenwärtig laufenden Kapitalerhöhung beisteuern muss, damit die Bankgesellschaft ihr Geschäft überhaupt fortführen kann. Sollte sich kein passender Investor finden, könnte Berlin die Bankgesellschaft zunächst auch im Alleingang sanieren und dann erneut auf die Suche nach Investoren gehen. Doch mit der Flowers-Gruppe hat sich ein erster privater Interessent geoutet.

Das Angebot von Flowers

Die Investoren-Gruppe um J. Christopher Flowers versucht die Rolle des weißen Ritters zu spielen. In dem Konsortium, das der Ex-Goldman-Sachs-Mann geschmiedet hat, finden sich Namen wie Allianz und neuerdings auch Parion. Auch die Deutsche Bank wurde eingeladen, sich zu beteiligen. Anfragen soll es auch bei Instituten aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich gegeben haben. Bis zu zwei Milliarden Euro will die Flowers-Gruppe angeblich für bis zu 75 Prozent der Bankgesellschaft zahlen. Doch ein genaues Konzept ist nicht bekannt. Und in Berlin ist die Angst groß, dass Flowers die Bedingungen nicht erfüllt. Zudem verwiesen die Kritiker auf die Rolle von Flowers in Japan. Dort hat ein Konsortium unter Führung von Flowers die heutige Shinsei-Bank übernommen. Jetzt streitet man mit der japanischen Regierung über ein vertraglich vereinbartes Rückgaberecht für problembeladene Kredite. Der Verdacht liegt nahe, dass sich Flowers in Berlin ähnlich absichern will. Und noch ein weiterer Verdacht wird von den Kritikern genährt. Wäre es nicht möglich, dass die Konsorten zwar zunächst gemeinsam den Konzern übernehmen, dann aber doch den Kuchen unter sich aufteilen? Mit ins Boot genommen hat Flowers jüngst Parion. Die Versicherungsgruppe widmete dem US-Investor eine Pressemitteilung, die einer Ode glich und stellte einen Sanierungsbetrag von 100 Millionen Euro in Aussicht.

Die Vorstellungen der NordLB

Die Vorstellungen der NordLB sind Ende der vergangenen Woche bekannt geworden. Ihr schwebt eine Nord-Ost-LB vor, die dann die Geschäftgebiete Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt umfassen würde. Die zu bildende Nord-Ost-LB würde das Whole-Sale-Geschäft übernehmen, zunächst wohl auch die Weberbank und die Berlin Hyp. Und sie würde sich an einer neuen Sparkasse beteiligen.

Der Vorschlag der Sparkassen-Gruppe

Der Vorschlag der Sparkassen zielt auf das Retailgeschäft. Über die Eigentümerverhältnisse ist man sich weitgehend einig geworden. Die Hamburger Sparkasse (Haspa) könnte 49 Prozent übernehmen, Mittelbrandenburgische Sparkasse und neue Nord-Ost-LB je 20 Prozent, der DSGV ÖK, ein Firmenmantel des Sparkassenverbandes, rund zwei Prozent. Blieben noch neun Prozent für Berlin. Einen Kaufpreis enthält der Vorschlag offenbar noch nicht, Gerüchte sprechen aber von 2,25 Milliarden Euro für den Sparkassenbereich, abhängig von den Risiken, die dort noch vorhanden sind.

Im Sparkassenlager versucht man die Ängste vor einer Zerschlagung der Bankgesellschaft auszuräumen. Bei den Sparkassen sei das Bankgeschäft schon immer getrennt gewesen. "Oben" die Landesbanken mit dem Whole-Sale-Geschäft, "unten" die Sparkassen mit dem Retailgeschäft. Warum nicht auch den ungewöhnlichen Konzern Bankgesellschaft so aufteilen?

Und was würde dann aus der Sparkasse? Zum Beispiel eine Fusion mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. Der zu beobachtenden Wanderung der Berliner Bevölkerung ins Umland wäre damit Rechnung getragen. Die Haspa könnte das Know-how für das großstädtische Retail-Geschäft beisteuern. Doch ist aus dem Sparkassen-Lager beruhigend zu hören, das operative Geschäft werde weiter von Berlin aus geführt.

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