Wirtschaft : Bankgesellschaft Berlin: Wolfgang Rupfs letzte Chance

Rainer Hank

Bankgesellschaft und kein Ende. Der weitere Wertberichtigungsbedarf addiert sich jetzt schon offiziell auf fast 700 Millionen Euro. Hinzu kommen Risiken in unbekannter Höhe durch die Sonderprüfung, die das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen angeordnet hat. Man hat den Eindruck, dass wöchentlich an anderen Orten neue Feuer auflodern und der Vorstand kaum mehr nachkommt, überall Warnschilder mit der Aufschrift "Es brennt" aufzustellen. Jetzt ist auch raus, was viele vorhergesagt haben: Eine Dividende wird es nicht geben. Das mag für die freien Aktionäre enttäuschend sein. Dem Land Berlin als Mehrheitseigner geschieht es Recht. Denn allzu lange haben die Aufseher ihren kritischen Blick vermissen lassen und stattdessen eine Renditeerwartung an "ihr" Kreditinstitut getragen, unabhängig von der konkreten Ertragssituation. Kredite wurden sorglos vergeben, um ja das Geschäft nicht zu verlieren. Bei der Bank mag die Erwartung des Eigners jenen absurden Mechanismus angespornt haben, Wachstum dadurch zu erzeugen, dass man den Kunden alle Risiken abgenommen hat. Das macht sich nun als Wertberichtigungsbedarf geltend. Lange wurde von vielen vieles vertuscht, und, einmal mehr, machen die Wirtschaftsprüfer keine gute Figur. Erst das Bundesaufsichtamt bringt jetzt ans Licht, was längst die Aufsichtsräte hätten sehen müssen. Doch Politiker taugen als Unternehmer nicht; zu Kontrolle sind sie nicht fähig. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Misere bei der Bankgesellschaft ist in erster Linie institutionell. In zweiter Linie ist sie freilich auch personell: Bei den Unternehmen der Bankgesellschaft herrscht ein Netz des Schweigens. Bankgesellschafts-Chef Rupf nutzt die Krise jetzt als Chance zum Aufräumen. Es ist seine letzte Chance.

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