Wirtschaft : „Bankgesellschaft bleibt eine Berliner Bank“

US-Investor Lone Star will ein lokales Management / Verstärktes Engagement in der Hauptstadt geplant

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Herr Orf, wer steht hinter Lone Star?

Dies ist unser vierter Fonds, den wir aufgelegt haben – mit Einlagen von 4,2 Milliarden US-Dollar. Das Geld stammt von internationalen Investoren, vor allem aus Nordamerika. Die Pensionsfonds großer Bundesstaaten wie Kalifornien und New York sind dabei, aber auch großer Firmen wie IBM.

Wie viel Geld aus den Fondseinlagen haben Sie bereits investiert?

Noch nicht sehr viel, weniger als 500 Millionen. Der Fonds ist auch gerade erst im März geschlossen worden.

In welchen Ländern investieren Sie vor allem?

Unser Schwerpunkt lag in den vergangenen vier Jahren auf Japan und Asien. Wir haben unter anderem in die Tokyo Star Bank investiert. In den USA halten wir uns derzeit noch zurück, wir warten darauf, dass die Wirtschaft wieder anspringt. In Europa konzentrieren wir uns auf Deutschland, und innerhalb Deutschlands auf Berlin.

Wieso Deutschland?

Deutschland steht am Anfang eines Wachstumsschubs nach einer Zeit der Stagnation. Das Land ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat hervorragende Aussichten. Und Berlin ist eine der führenden Hauptstädte in Europa. Hier sehen wir die besten Zukunftschancen.

Deutschland gilt als sehr bürokratisch...

Überall in der Welt beschweren sich die Menschen über zu viel Bürokratie. Natürlich ist Deutschland nicht einfach, aber auch nicht schwieriger als Frankreich oder Großbritannien.

Stört Sie der rot-rote Senat in Berlin?

Nein. Seit 1990 hat Berlin eine sehr positive Entwicklung genommen.

Die Bankgesellschaft ist nicht das erste Finanzinstitut, das Lone Star gekauft hat. Aber ist die Tokyo Star Bank mit der Bankgesellschaft vergleichbar?

Wir haben die Tokyo Star Bank innerhalb von nur zweieinhalb Jahren saniert. Und die Situation war ähnlich, denn auch die Tokyo Star Bank kam durch faule Immobilienkredite in Schwierigkeiten.

Wie haben Sie die Bank saniert?

Zunächst einmal haben wir das ganze Institut übernommen und der Regierung einen sauberen Schnitt angeboten. Auf zukünftige Garantien haben wir verzichtet. Das Geschäft haben wir auf das Retail Banking – das Filialgeschäft – und auf Mittelstandskredite konzentriert.

Das Management blieb japanisch?

Ja.

Wollen Sie das Gleiche auch bei der Bankgesellschaft?

Hier stammen viele Probleme ebenfalls aus dem Immobilienbereich – und da sind wir Experten. Schließlich fließt der Großteil unserer Investitionen in Immobilien. Unseren Fokus bei der Bankgesellschaft wollen wir auf das Retail Banking – die Sparkasse – und auf das Geschäft mit kleineren und mittleren Unternehmen legen.

Wollen Sie das bisherige Management behalten?

Es ist noch zu früh, darüber zu reden. Aber die Bankgesellschaft wird eine Berliner Bank bleiben – und das Management einheimisch.

Die Sparkasse ist ein öffentlich-rechtliches Institut und Sie ein privater Investor...

Wir wollen das rote S für die Sparkasse auf jeden Fall erhalten, aber – zugegeben – ob wir das dürfen, ist noch nicht sicher.

Wie viel bietet Lone Star für die Bankgesellschaft?

Ein guter Anhaltspunkt ist der Betrag, mit dem sich das Land an der letzten Kapitalerhöhung beteiligt hat.

... das waren 1,75 Milliarden Euro. Der Preis, den Sie bieten, ist also kein symbolischer Euro?

Der geht über das Symbolische weit hinaus.

Wollen Sie vor dem Zuschlag weitere Staatsgarantien für mögliche Risiken aus den Altgeschäften der Bankgesellschaft, oder reichen die bisher zugesagten rund 21 Milliarden Euro?

Nach meinem Wissensstand reichen die für die Risiken in den betroffenen Fonds aus. Wir bieten einen sauberen Schnitt. Und: Wir planen ein langfristiges Investment.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung des Landes darüber, mit welchem Interessenten weiterverhandelt wird?

Das ist keine Frage von Tagen, eher von Wochen.

Sollten Sie den Zuschlag nicht bekommen, werden Sie sich in Berlin weiter engagieren?

Auf jeden Fall. Schließlich besitzen wir bereits rund 5500 Wohnungen in Hellersdorf und im Quartier Leipziger Tor. Wir werden weiter investieren.

Das Gespräch führten Bernd Hops und Daniel Rhée–Piening.

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