Wirtschaft : Bankgesellschaft gibt keine Entwarnung

Vorstandschef Vetter: Sanierungserfolge reichen noch nicht aus/Aktionäre fürchten neue Risiken

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Berlin (hop). Die Sanierung der Bankgesellschaft Berlin ist noch lange nicht abgeschlossen. HansJörg Vetter, der Vorstandsvorsitzende des Instituts, warnte am Freitag auf der Hauptversammlung in Berlin vor zu großem Optimismus. Die Bank habe es zwar geschafft, in den ersten drei Monaten 2003 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Aber: „Noch ist es zu früh, um von einer wirklichen Trendwende, von einer nachhaltigen Rückkehr des Konzerns Bankgesellschaft in die Profitabilität zu sprechen.“ Aktionärsschützer meldeten zudem Zweifel an, ob sich die Prognosen Vetters halten lassen, zumal schon wieder unerwartete Abschreibungen nötig sind.

Nach Angaben des Vorstands müssen die Sanierungsmaßnahmen in dem bisherigen Tempo vorangetrieben werden. Der Stellenabbau geht daher ungebremst weiter. Laut Sanierungsplan vom Dezember 2001 sollen bis 2005 rund 4000 Arbeitsplätze eingespart werden. Im vergangenen Jahr waren es schon 2109, im laufenden Jahr sollen es 1300 werden, sagte Vetter. Die Personal- und Sachkosten will die Bankgesellschaft bis 2005 um rund 535 Millionen Euro pro Jahr drücken. Im vergangenen Jahr hatte das Institut durch seine Sparmaßnahmen eine Verringerung um 282 Millionen Euro erreicht.

Unklar sind die weiteren Belastungen, mit denen die Bankgesellschaft noch rechnen muss. Im ersten Quartal hatte das Institut – nach jahrelangen Verlusten – ein positives Betriebsergebnis von 47 Millionen Euro verbucht, nach einem Minus von 95 Millionen Euro im Vorjahresvergleich. Vetter will in diesem Jahr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis erreichen – einschließlich Risikovorsorge. Für das kommende Jahr rechnet er sogar mit einem Gewinn von 100 Millionen Euro. Das setze aber voraus, dass es „keine dramatischen Marktveränderungen“ gebe, warnte Vetter. Doch „das schwache Marktumfeld, das uns neue Risiken bescheren kann, gebietet Achtsamkeit und Vorsicht“. Die konjunkturelle Entwicklung sei kaum vorherzusagen.

Vetter räumte außerdem ein, dass die Bank wegen der schwachen Börsenlage wahrscheinlich weitere Abschreibungen von 40 Millionen Euro auf Eurostoxx-50-Fondsanteile vornehmen muss. Schon im vergangenen Jahr war darauf eine Abschreibung von 399 Millionen Euro fällig. Vor allem deshalb musste die Bankgesellschaft 2002 einen Jahresfehlbetrag von 699 Millionen Euro ausweisen.

„Dieser Rückschlag zeigt, wie fragil die Bankgesellschaft noch ist“, sagte Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nannte das Finanzergebnis 2002 „katastrophal“. Der jetzige Vorstand habe einen Vertrauensvorschuss verdient, aber: „Immer wieder wurde bei der Bankgesellschaft gesagt, dass man die Risiken in den Griff kriegt. In der Vergangenheit hat es nie gestimmt.“

Die Aktionärsschützer lobten den Vorstand für die Sanierungserfolge. „Der Start in das Jahr hört sich gut an“, sagte Weigert von der SdK. Einige Aktionäre wandten sich gegen die geplante Erhöhung der Vergütung für Aufsichtsräte der Bankgesellschaft. Es gehe nicht um Sozialneid, sagte Weigert. Von der Erhöhung würden aber auch einige Aufsichtsräte profitieren, die schon vor 2001 in dem Gremium saßen – und offenbar damals mit den Aufgaben überfordert gewesen seien. Die Erhöhung sei daher „unpassend und unsensibel“. Im Interview mit der Tageszeitung „taz“ verteidigte Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) die Erhöhung der Bezüge für die Aufsichtsräte gegen Kritik aus den Reihen seiner Partei. „Ich halte diese Diskussion so geführt für populistisch“, sagte er. „Hier wird so getan, als seien die Aufsichtsräte Abzocker und Verantwortliche des Bankenskandals.“

Nur ein Randthema war am Freitag die Privatisierung der Bank, die im vergangenen März zunächst scheiterte. Das Land Berlin hatte die Bankgesellschaft vor zwei Jahren durch eine Finanzspritze von 1,7 Milliarden Euro und eine Risikoabschirmung von rund 21 Milliarden Euro retten müssen. Diese Hilfen werden aber noch durch die EU geprüft. Und die befürwortet eine Privatisierung. Vetter sagte, das vorläufige Scheitern des Verkaufs habe keine konkreten Auswirkungen auf die Sanierung der Bank.

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