Wirtschaft : Bankgesellschaft hat Risiken nicht im Griff

Wirtschaftsprüfer fordern erneut effektives Datenverarbeitungssystem – Vorstand sieht die Bank im Plan

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Berlin (dr). Die Bankgesellschaft Berlin hat immer noch erhebliche Probleme mit Risiken in zentralen Geschäftsbereichen. Einem Mängelbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutsche Revision zufolge, der dem Tagesspiegel vorliegt, fällt es den Verantwortlichen bei der Bankgesellschaft offenbar immer noch schwer einzuschätzen, ob ein Kreditnehmer seinen Verpflichtungen auch in Zukunft nachkommen kann (Adressausfallrisiken). Komme es tatsächlich zu Problemen mit der Rückzahlung eines Kredits, sei die Bank nicht zuverlässig in der Lage, für Schadensbegrenzung zu sorgen. Der Grund: Bei den dafür zuständigen Abteilungen – so genannten WorkoutEinheiten – herrschen Personalengpässe.

Die Wirtschaftsprüfer stützen sich bei dem Mängelbericht auf die Erkenntnisse der internen Revision der Bankgesellschaft. Der Bericht wird im Vorfeld des Jahresabschlusses angefertigt und mehrfach aktualisiert. Im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftsprüfer bereits moniert, dass die Bankgesellschaft und ihre Tochtergesellschaften nicht wissen, wie sicher die von ihnen vergebenen Kredite sind. In diesem Punkt besteht offenbar noch immer Handlungsbedarf.

Ursache für die Missstände bei dem Bankkonzern sind nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer nach wie vor fehlende Informationen. Den Bankmitarbeitern fehlen die Daten, die sie in ihre elektronischen Systeme eingeben können, die dann wiederum die Kredite überwachen. Dazu kommt, dass die Datenverarbeitungssysteme noch immer nicht so laufen, wie sie sollten. Wesentliche Verbesserungen sollte das EDV-System mit dem Namen „Kolibri bringen. Doch trotz anderer Pläne ist „Kolibri“ bis heute nicht überall bei der Bankgesellschaft installiert. Ein weiteres Vierteljahr werde es noch dauern, bis die EDV zuverlässig arbeite, schätzt auch die innere Revision der Bankgesellschaft. Abschließende „Prüfungshandlungen“ seien erst im laufenden Jahr sinnvoll, „wenn das System den planmäßig vorgesehenen Stabilisierungslauf mit Beginn des II. Quartals 2003 erfolgreich abgeschlossen hat“, schreiben die Wirtschaftsprüfer. Bisher hatte der Vorstandsvorsitzende der Bankgesellschaft Berlin, Hans-Jörg Vetter, immer wieder betont, das System „Kolibri“ werde Ende 2002 einwandfrei arbeiten.

Zudem gibt es noch immer Mängel bei der Einordnung der Kreditnehmer in Risikogruppen (Ratingverfahren). Die Wirtschaftsprüfer hatten bemängelt, dadurch seien die „Risikoüberwachungs- und Steuerungsinstrumente eingeschränkt“. Nun stellen die Prüfer der PwC zwar fest, dass bis zum 31. Dezember 2002 rund 60 Prozent aller Firmenkunden ein neues, vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband entwickeltes Rating erhalten sollten. Wann aber der Rest eine neue Einstufung erhält, scheint offen zu sein. Und: „Für den besonders problematischen Immobilienbereich konnte PwC bisher noch kein Zeitplan für ein neues DSGV-Rating vorgelegt werden“, heißt es in dem Bericht.

Mängel ergeben sich darüber hinaus vor allem bei den Workout-Einheiten, die sich um Problemkredite kümmern sollen. Sowohl die interne Revision als auch die Wirtschaftsprüfer von PwC bemängeln, es gebe unverändert Überleitungsschwierigkeiten der Problemkredite an die Workout-Einheiten, bedingt durch Personalengpässe. Zudem räumt die interne Revision, ein, dass „regelmäßige Auswertungen/Berichterstattungen für die Workout-Einheiten nicht möglich sind“. Die Wirtschaftsprüfer stellen hierzu fest, dass ein entsprechendes Informationssystem erst bis zum 30. Juni 2003 erarbeitet werden soll. Für das kommende halbe Jahr bleibt es also bei dem festgestellt schwer wiegenden Mangel.

Und die Wirtschaftsprüfer erinnern nachdrücklich daran, eine Vereinheitlichung der Datenverarbeitungslandschaft sowie die Verbesserung der Datenqualität stellten eine wesentliche Empfehlung der Jahresabschlussprüfung dar“. Gleichzeitig warnen die Prüfer aber auch: „Allein aus der Einführung eines einheitlichen Datenpools für Risikomanagementzwecke ergibt sich nicht automatisch eine Verbesserung der Datenqualität.“ Im Klartext: Selbst wenn „Kolibri“ und andere Systeme fehlerfrei arbeiten würden, nützt das beste System nichts, wenn nur unvollständige Daten eingegeben werden.

Eine Sprecherin der Bankgesellschaft erklärte demgegenüber, „Kolibri“ sei jetzt so gut wie fertig. In das DSGV-Rating will die Bankgesellschaft in wenigen Monaten rund 80 Prozent der Firmen eingeordnet haben. Bis Mitte des Jahres seien dann alle Firmen mit dem neuen Rating versehen. Dies sei sehr arbeitsaufwändig, weil das DSGV-Rating 18 Risikoklassen hat, gegenüber sechs Risikoklassen nach dem alten bankinternen Rating. Eingeräumt wurde von der Bankgesellschaft ein erheblicher Personalmangel bei den Workout-Teams. Dieses Problem hätten aber auch alle anderen Kreditinstitute. Der Markt sei leer gefegt.

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