Wirtschaft : Bankgesellschaft kommt mit Weberbank nicht weiter

Mitinhaber blockieren die Zerschlagung des hochprofitablen Instituts – und das ganz rechtmäßig, wie das Landgericht meint

Ralf Schönball

Berlin. Bei der Bankgesellschaft Berlin gibt es neuen Streit. Die profitabelste ihrer Gesellschaften, die inhabergeführte Weberbank, soll offenbar zerschlagen werden. Ausgerechnet die hochprofitable Weberbank, die dem Not leidenden Konzern bisher Gewinne von über 125 Millionen Euro überwiesen hat und von Bankgesellschaftschef Vetter als „Juwel“ bezeichnet wurde.

Was auf den ersten Blick völlig unverständlich erscheint, ist vor dem Hintergrund der schwierigen Sanierung der Bankgesellschaft erklärlich. Deren Vorstände, Norbert Pawlowsky sowie Hans-Jörg Vetter, brauchen dringend Geld für die weniger erfolgreichen Konzerntöchter. Die Weberbank hat Geld genug. Sie legte dicke Polster für Krisenzeiten an, brauchte dieses Geld aber nie. Außerdem kommt der Konzern um einen Verkauf nicht herum. Die Europäische Union hat die Privatisierung zur Bedingung dafür gemacht, dass sie die 2001 bezahlte Rettungsbeihilfe für die Bankgesellschaft genehmigt.

Doch beim Griff nach den Rücklagen und beim Verkauf machten Pawlowski und Vetter die Rechnung ohne die Chefs der Weberbank. Diese sind keine gewöhnliche Vorstände, sondern Mitinhaber und „persönlich haftende Gesellschafter“ (phG). Ihnen gehören zwar nur 5,01 Prozent der Geldhauses. Doch als phGs haben sie viel Macht: Nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) bedarf eine Satzungs- und Rechtsformänderung der Weberbank ihrer Zustimmung. Anders ausgedrückt: Ein potenzieller Käufer müsste die Weberbank mit den drei Mitinhabern übernehmen und könnte deshalb nicht sofort walten, wie er will. Ein maximaler Ertrag ist daher aus der Weberbank nicht herauszuschlagen. Um diese Probleme zu lösen, legte Pawlowski den drei Weberbankchefs einen Vertrag vor. Dieser sah noch für 2003 Millionenausschüttungen zugunsten des Konzerns vor. Außerdem sollte die Weberbank in eine gewöhnliche Gesellschaft umgewandelt werden. Die drei Mitinhaber hätten so ihre bisherigen Rechte verloren.

Die Bankgesellschaft lehnt einen Kommentar dazu ab. Es gehe um vertrauliche Dinge. Nachdem vertrauliche Bankgesellschafts-Dokumente öffentlich geworden waren, hatte Weberbank-Vorstand Andreas Bödecker, Urenkel des Firmengründers, gesagt: „Man wollte uns den Vertrag aufzwingen.“ Er werde ebenso wenig wie Weberbanksprecher Christian Grün, und Michael Graf Strasoldo den Vertrag unterzeichnen. Zumal sie befürchten, dass das Institut zerschlagen wird. Vorsorglich riefen die drei Mitinhaber das Landgericht an und bekamen Recht.

So bleibt den im Machtkampf verhakten Bankern wohl nichts anderes übrig, als gemeinsam einen Käufer für die Weberbank zu finden. Interessenten gibt es laut Konzernchef Vetter genug. Und es wäre nicht das erste Mal, dass der Hauptgesellschafter wechselt: Der Berliner Bankenkonzern hatte die Weberbank nebst Mitinhaber von der Südwestdeutschen Landesbank 1990 übernommen.

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