Wirtschaft : Bankgesellschaft muß zurückstecken

BERLIN (dr).Bei der Bankgesellschaft Berlin wachsen die Bäume nicht in den Himmel.Auf der Hauptversammlung am Freitag im Berliner ICC vor rund 1300 Aktionären (Präsenz: 76,8 Prozent) mußte der Sprecher des Vorstandes, Wolfgang Rupf, eingestehen, daß man das Prädikat "zufriedenstellend" bisher noch nicht vergeben könne.Zwar wolle man das Ertragsziel einer deutlichen Ergebnissteigerung gegenüber dem Vorjahr noch nicht aufgeben, es zeichne sich nach fünf Monaten jedoch ab, daß wohl lediglich eine mäßige Gewinnsteigerung erreichbar sein werde, und der Vorstand deshalb seine Erwartungen reduzieren müsse.Bis einschließlich Mai belief sich das Ergebnis nach Risikovorsorge auf 283 Mill.DM und lag damit nur geringfügig über dem entsprechenden Vorjahresergebnis.

Die voraussichtliche Risikovorsorge dürfte wieder hoch sein und nur wenig unter der Vorjahreszahl liegen, die im Konzern rund 1 Mrd.DM betragen hatte.Darin waren allerdings eine dreistellige Millionensumme zur Auffüllung der Reserven und rund 120 Mill.DM zur Bewältigung der Asienkrise enthalten.Die Risikosituation im Kreditgeschäft habe sich - angesichts der bislang nur schwachen konjunkturellen Impulse im Kerngeschäftsgebiet der Bankgesellschaft - nicht grundlegend gewandelt, so Rupf.Allerdings habe man durch strenge Kriterien im Kreditneugeschäft eine Risikoreduzierung im Gesamtportefeuille erreichen können.

Sorgen bereitet Rupf auch der spürbare Anstieg der Verwaltungsaufwendungen.Trotz spürbarer Effizienzverbesserungen und Einsparungen in Teilbereichen sei der Kostendruck nicht schwächer geworden.Die angestrebte Verbesserung der Kosten-Ertrags-Relation sei noch nicht erreicht worden.

Rupft geht davon aus, daß er - wie geplant - die Aktionäre bis zum Ende des Jahres auf einer außerordentlichen Hauptversammlung um ein Zusammengehen mit der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) bitten kann.Die Nord/LB - ohne ihre Anteile an der DGZ und Deka und ohne das Fördergeschäft - soll gegen Ausgabe von 125 Mill.Stück neuer Aktien der Bankgesellschaft und eine Barzahlung von 1,3 Mrd.DM an die derzeitigen Eingentümer der Nord/LB in die Bankgesellschaft eingebracht werden.Durch das gesellschaftsrechtliche Zusammengehen erwartet Rupf ein Synergiepotential von 150 bis 200 Mill.DM pro Jahr.Zudem werde das Fundament für eine zukunftssichere Marktposition des Bankkonzerns in einem zunehmend globalen Wettbewerb gelegt.Kraftvoller sei der gemeinsame Weg, so Rupf.Der neue Konzern habe das Ziel, die führende und ertragsstarke Universalbank im Norden und Osten Deutschlands und der Hauptstadt Berlin zu sein.Die Bankgesellschaft Berlin wende sich darüber hinaus auch allen angrenzenden Märkten, speziell in Zentral-, Ost- und Mitteleuropa zu.

Von den Aktionären wurde vereinzelt Kritik laut.Dies betraf insbesondere die Dividende von 1,10 DM, die diesmal ohne Körperschaftssteuergutschrift gezahlt wird.Aktionärsvertreter bezeichneten dies als faktische Dividendenkürzung.Rupf begründete dieses Vorgehen damit, daß die Ausschüttung aus ausländischen Erträgen gezahlt werde, während die inländischen Erträge zum Abbau des Verlustvortrages verwendet würden.Angezweifelt wurde auch der Zeitplan für die Fusion mit der Nord/LB.Mit Mehrheit beschloß die Aktionärsversammlung die Umstellung auf nennwertlose Stückaktien.Dies ist angesichts des bevorstehenden Euros eine sinnvolle Maßnahme, da sonst angesichts eines ungeraden Umrechnungskurses Nennwerte mit vielen Stellen hinter dem Komma entstehen können.Die Aktie der Bankgesellschaft notierte zum Wochenschluß mit 43,20 DM.

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