Wirtschaft : Bankgesellschaft schreibt bis 2003 rote Zahlen

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Berlin (dr). Die Bankgesellschaft Berlin befindet sich erst am Anfang der Sanierung, dennoch ist sich der neue Vorstandsvorsitzende des Instituts, Hans-Jörg Vetter sicher, „das Fundament ist gelegt“. Vetter konnte bei der Vorlage der Bilanz 2001 am Dienstag vor der Presse in Berlin allerdings nicht auf gute Zahlen verweisen, er versuchte lediglich, Eigentümern und Beschäftigten Mut zu machen. Eine zumindest ausgeglichene Ertragssituation werde aber erst im kommenden Jahr erreicht. Erst für das Jahr 2005 kann sich Vetter einen Jahresüberschuss im Konzern von etwa 300 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 150 Mill Euro vorstellen.

Trotz der vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossenen Riskoabschirmung bleibt die Achillesferse des Konzerns die Risikovorsorge. „Dieser Konzern trägt unverändert viele Risiken in seinem Kreditengagement und besonders im Immobilienfinanzierungsgeschäft“, sagte Vetter. Im vergangenen Jahr mussten für die Risikovorsorge rund 765 Millionen Euro aufgewendet werden, im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es erneut 79 Millionen Euro. Dennoch müsse es das Ziel sein, innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre die Risikovorsorge auf ein Normalmaß zu reduzieren, so Vetter. Er versteht darunter im Immobiliengeschäft rund 0,4 Prozent der Engagementsumme, im Privatkundengeschäft rund 0,8 Prozent.

Doch nicht nur die Risiken belasteten den angeschlagenen Finanzkonzern. Auch im operativen Geschäft verlief die Entwicklung wenig erfreulich. Im operativen Geschäft betrug das Minus im vergangenen Jahr 632 Millionen Euro; rechnet man das Immobiliengeschäft heraus, bleibt immer noch ein operativer Verlust von rund 450 Millionen Euro. Vetters Ziel ist es, diesen Verlust im laufenden Jahr zumindest auf rund 315 Millionen Euro zu drücken. „Der wesentliche Hebel kommt dabei aus den Kostensenkungen“, erklärte Vetter. Einen großen Schub soll dabei das kürzlich mit den Betriebs- und Personalräten der Bank vereinbarte Sanierungsprogramm bringen. Es sieht Kostensenkungen im Personalbereich bis zum Jahr 2005 in Höhe von 300 Millionen Euro vor. Im Sachkostenbereich sollen 150 Millionen Euro eingespart werden.

Das erste Quartal verlief für den Konzern wenig erfreulich. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge erreichte minus 16 (anteilig Vorjahr 33) Millionen Euro. Nach einer Risikovorsorge von 79 (191) Millionen Euro errechnet sich ein Betriebsergebnis nach Risikovorsorge in Höhe von minus 95 (minus 158) Millionen Euro. Der Jahresfehlbetrag erreichte Ende März 114 (28) Millionen Euro.

Mit Blick auf den geplanten Verkauf des Konzerns sagte Vetter, er rechne nicht damit, dass ein neuer Eigentümer nochmals alles „auf den Kopf“ stellen werde. Gespräche mit allen Interessenten hätten ihm gezeigt, dass das Restrukturierungskonzept auch in der Breite so gesehen werde. „ Wir schaffen auch die Basis für einen neuen Eigentümer.“ Eine Personalie teilte Vetter zum Schluss mit. Reinhard Fröhlich, Leiter der Unternehmenskommunikation, wird den Konzern zum 30. Juni verlassen. Über eine Nachfolge ist noch nicht entschieden.

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