Wirtschaft : Bankgesellschaft tief in roten Zahlen

Der Vorstand verspricht für 2003 ein Ende der Verluste – weil sich die Sanierung dann auszahlen soll

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Berlin (dr). Die Bankgesellschaft Berlin hat im ersten Halbjahr weiter tiefrote Zahlen geschrieben. Das Konzernergebnis nach Steuern betrage im ersten Halbjahr 2002 minus 154 Millionen Euro, teilte die Bank am Freitag mit. Der Vorstandsvorsitzende Hans Jörg Vetter hält jedoch an seinem Ziel fest, den operativen Verlust, der 2001 noch bei 634 Millionen Euro lag, im laufenden Geschäftsjahr zu halbieren.

Die jüngsten Zahlen bewegten sich im geplanten Rahmen, sagte ein Sprecher der Bank. Trotz des befürchteten Verlustes für das Gesamtjahr 2002 halte der Vorstand daran fest, für das kommende Jahr zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis vorzulegen. Danach will Vetter das Institut wieder in die schwarzen Zahlen führen.

Hartmut Friedrich, einer der Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat, beurteilte die vorgelegten Zahlen grundsätzlich positiv. Der Halbjahresbericht zeige, das der Plan des Vorstandes, den nicht wenige für sehr ehrgeizig gehalten hätten, offenbar erfüllt werde. Zudem setzt Friedrich auf die zweite Jahreshälfte, weil sich dann die geplante Senkung der Verwaltungskosten deutlich bemerkbar machen werde.

Vergleicht man das 2. Quartal 2002 mit dem Vorquartal (siehe Tabelle) lässt sich in der Tat eine leichte Besserung der wichtigsten Kennzahlen feststellen. Das Ergebnis nach Steuern betrug im 1. Halbjahr 2002 minus 154 Millionen Euro. Allerdings fielen von diesem Verlust im 1. Quartal 114 Millionen Euro, im zweiten Quartal „nur“ noch 40 Millionen Euro an. Das Wachstum des Zinsüberschusses beschleunigte sich im zweiten Quartal, so dass dieser zum Halbjahr insgesamt 858 Millionen Euro erreichte. Bei dieser Position macht sich jedoch ebenso wie bei Provisionsüberschuss (im wesentlichen aus Geschäften an der Börse) die schlechte Lage an den Börsen bemerkbar – verglichen mit dem anteiligen Vorjahreswert ergibt sich nämlich beim Zinsüberschuss ein Rückgang um 8,5 Prozent, beim Provisionsüberschuss von 10,4 Prozent.

Auffällig ist allerdings die Entwicklung bei der Risikovorsorge für Kredite, deren Rückzahlung unsicher erscheint. Wurden im 1. Quartal noch 79 Millionen Euro in diese Position eingestellt, kamen im zweiten Quartal nochmals 152 Millionen Euro und damit fast das Doppelte hinzu. Bei der Bank beeilte man sich zu erklären, dies sei die Hälfte der für das gesamte Jahr geplanten Vorsorge. Der Anstieg wird mit bilanztechnischen Besonderheiten erklärt. So musste mancher Betrag noch in der Bilanz für das Jahr 2001 verbucht werden, die Risikovorsorge im 1. Quartal fiel damit außergewöhnlich niedrig aus. Die Risikovorsorge für das gesamte Jahr 2002 werde wie von Vetter mehrfach angekündigt unter 500 Millionen Euro bleiben, so die Bank. Auch seien die tatsächlichen Kreditausfälle niedriger.

Bei den Verwaltungsaufwendungen, zu denen vor allem die Personalkosten zählen, ist man von den avisierten Zielen noch weit entfernt. Insgesamt werden die Verwaltungsaufwendungen für das erste Halbjahr mit 811 Millionen Euro angegeben. Davon wurden 419 Millionen Euro im 1. Quartal und weitere 392 Millionen Euro im 2. Quartal ausgegeben. Immerhin sei der Verwaltungsaufwand im Vorjahresvergleich bereits um 52 Millionen Euro gesunken, so die Erklärung der Bank. Die beschlossenen Maßnahmen zur Kostensenkung würden im zweiten Halbjahr verstärkt zur Geltung kommen, auch wegen den seit Mai dieses Jahres greifenden Reduzierungen bei den Personalkosten.

Doch wie schwierig diese Reduzierung zu erreichen ist, zeigt die jüngst erfolgte Ankündigung des Vorstandes, bis zum Jahresende müssten bis zu 300 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt werden. Zwar sank die Mitarbeiterzahl im Konzern insgesamt von 16485 Personen Ende Dezember 2001 auf 15 484 Ende Juni 2002. Im eigentlichen Bankgeschäft arbeiteten noch 14083 Menschen bei der Bankgesellschaft, verglichen mit 14792 Ende Dezember des vergangenen Jahres. Doch entspricht dieser Personalabbau keineswegs den gesteckten und gegenüber der EU zugesagten Zielen. In Brüssel aber ist noch das Genehmigungsverfahren für die staatlichen Beihilfen an die Bankgesellschaft anhängig. Brüssel muss der Kapitalerhöhung durch das Land Berlin in Höhe von 1,73 Milliarden Euro im Herbst 2000 sowie der zum Jahresbeginn beschlossenen Garantie in Höhe von gut 21 Milliarden Euro zustimmen. Genehmigt die EU-Kommission die staatlichen Beihilfen nicht, bedeutet dies das Ende für die Bankgesellschaft.

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