Wirtschaft : Bankgesellschaft übertrifft sich selbst

Berliner Institut erreicht Jahresziel vorzeitig und erhöht die Gewinnprognose/Arbeitsplatzabbau beendet

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Die Bankgesellschaft Berlin hat deutlich mehr verdient, die Prognose für das gesamte Jahr 2005 wird angehoben, die Sanierung ist abgeschlossen, der Arbeitsplatzabbau ist zu Ende, und die Beschäftigten erhalten seit Jahresbeginn sogar wieder mehr Geld. Der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Hans-Jörg Vetter, konnte am Montag vor der Presse nur Gutes verkünden.

Nach den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres liegt der Vorsteuergewinn bereits bei 168 (Vorjahreszeit 95) Millionen Euro und entspricht damit dem bisher angepeilten Jahresgewinn. Unterm Strich kletterte er sogar von 39 auf 139 Millionen Euro. Zum Gewinnsprung beigetragen habe eine deutlich gesunkene Risikovorsorge und die Auflösung von stillen Reserven von 40 Millionen Euro, davon allein 38 Millionen Euro beim Verkauf der Tochter Weberbank, sagte Vetter. Für das Gesamtjahr rechne er nun mit einem Gewinn von rund 200 Millionen Euro vor Steuern nach 119 Millionen Euro im Vorjahr. Trotz des guten Ergebnisses wird der Konzern allerdings keine Dividende ausschütten, so dass das Land Berlin, das 81 Prozent an der Bankgesellschaft hält, nicht von der Gewinnsteigerung profitiert.

Auch bei der Risikovorsorge sei die Bankgesellschaft nun wieder „eine normale Bank“, sagte Vetter. Eingeplant sind für das Gesamtjahr etwa 168 Millionen Euro, für die ersten drei Quartale waren es 131 Millionen Euro nach 197 Millionen Euro im Vorjahr. „ Das Geld haben wir aber bei weitem nicht gebraucht“, versicherte Vetter.

Im Laufe der rund vierjährigen Sanierung schrumpfte die Mitarbeiterzahl des Konzerns von damals rund 17000 auf etwa 8200. Tatsächlich gestrichen wurden rund 5000 Arbeitsplätze, aber in weniger als fünf Prozent der Fälle gab es Kündigungen. Der Rest konnte über Ruhestandsregelungen, Fluktuation oder freiwilliges Ausscheiden erreicht werden. Die Mitarbeiter, die seit dreieinhalb Jahren auf rund acht Prozent ihres jährlichen Gehaltes verzichteten, bekommen seit Jahresanfang immerhin wieder vier Prozent mehr. 2007/08 soll über eine weitere Erhöhung gesprochen werden.

Als eine nächste Etappe beim Konzernumbau soll das Immobilien-Dienstleistungsgeschäft am 30. Juni 2006 rückwirkend zum 1. Januar an das Land verkauft werden. Hierin sind die Fondsgesellschaften der Bankgesellschaft enthalten. Bei der Berliner Bank hofft Vetter, den Verkaufsvertrag im Laufe des dritten Quartals 2006 unterzeichnen zu können. Das Institut soll 2005 ähnlich wie im Vorjahr „deutlich mehr als 30 Millionen Euro“ verdienen. Eine „zweistellige Zahl“ von Interessenten sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland habe sich bereits gemeldet, sagte Vetter.

Mit dem Finanzdienstleister MLP, an dem die Bankgesellschaft knapp über acht Prozent hält, kann sich Vetter eine Vertriebskooperation vorstellen. Man sei mit der „Finanzinvestition ausgesprochen zufrieden“. „Acht Prozent müssen keine Obergrenze sein“, sagte Vetter.

Auch die Bankgesellschaftstochter Berlin Hyp konnte ihr Ergebnis in den ersten drei Quartalen 2005 steigern. Der Gewinn vor Steuern kletterte auf 34,3 (Vorjahreszeit 24,6) Millionen Euro. Obwohl die Bank zunehmend eine Verschärfung des Wettbewerbs durch neue Marktteilnehmer verzeichne, sei dies ein „sehr gutes Ergebnis“, sagte Vorstandssprecher Jan Bettnik. Diesen Erfolg gelte es auszubauen.

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