Wirtschaft : Bankgesellschaft will Wasserbetriebe

BERLIN (mhm/dri/HB).Die Bankgesellschaft Berlin AG will sich an der Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe (BWB) beteiligen.Vorstandsvorsitzender Wolfgang Rupf sagte dem Handelsblatt, die Bank wolle im Konsortium mit der französischen Suez Lyonnaise des Eaux die Hälfte des zur Privatisierung anstehenden 49,95 Prozent-Pakets der Berliner Wasserbetriebe (BWB) treuhänderisch übernehmen.Spätestens nach zwölf Monaten werde man das Paket an einen deutschen Investor weiterreichen.Dafür gebe es bereits Interessenten.Damit würde die Bankgesellschaft zunächst den Teil im Konsortium halten, der nach dem Ausstieg von Krupp-Thyssen aus der Bietergemeinschaft mit Lyonnaise des Eaux frei geworden war.Die mehrheitlich in Landesbesitz befindliche Bank hatte das Konsortium beraten und war auch bereit gewesen, zwei bis vier Prozent der Anteile treuhänderisch zu übernehmen.Das erheblich größere Engagement begründete Rupf damit, daß der Senat die Beteiligung eines deutschen Investors an der Privatisierung zur Bedingung mache.Die für die nächste Zeit erwartete Privatisierung dürfte dem Land rund drei Mrd.DM bringen.

Zur weiteren Entwicklung der Bankgesellschaft äußerte sich Rupf zuversichtlich.Das Institut habe "das Schlimmste hinter sich".Auf das eingesetzte Kapital soll die Bank etwa im Jahr 2001 eine Rendite von 15 Prozent erwirtschaften.Davon soll auch der bei 14 Euro nicht weit vom Jahres-Tiefstkurs von zwölf Euro dümpelnde Aktienkurs profitieren.Analysten sähen hier bis Jahresende Spielraum bis 16,50 Euro, sagte Rupf.Angesichts der zurückliegenden Entwicklung des Instituts zeigte er Verständnis für die zurückhaltende Bewertung der Aktie.

Die 1998 gescheiterten Fusionsverhandlungen mit der NordLB dürften den Umbauprozeß der Bank um etwa ein Jahr verzögert haben, meinte Rupf.In der neuen Strategie macht er drei zentrale Elemente aus: Einerseits den Kernmarkt in der Region Berlin-Brandenburg für das Universalbank-Geschäft.Weil hier die Wachstumschancen für die nächste Zeit eher bescheiden ausfallen, zugleich aber noch einige Risiken schlummern dürften, verlangt er von der Bankgesellschaft, dem Platzhirsch unter den Kreditinstituten der Region, die klare Kostenführerschaft.Organisation, EDV und Personal-Einsatz werden unter strikten Effizienzgesichtspunkten ausgerichtet.Die "zweite große Ecke" sei das Kapitalmarktgeschäft, das dem Institut 1998 mit einem unerwartet hohen Nettoertrag von 1,08 Mrd.DM die hohe Risikovorsorge ermöglicht hatte.Als dritten wichtigen Bereich nennt Rupf das Projektfinanzierungsgeschäft.Hierzu zählten Immobilienprojekte, Beteiligungsfinanzierungen und Engagements in Public-Private-Partnership.Randaktivitäten werden abgegeben.Dazu gehören die Allbank und die Telefontochter Bank Girotel, die bis zum Sommer verkauft werden sollen.Über beide Banken werde man nun mit zwei oder drei Bietern verhandeln, kündigte Rupf an.Ziel sei eine "optimale Lösung" für die 1300 Mitarbeiter sowie ein guter Kaufpreis für beide Häuser, die bei der Bankgesellschaft mit 340 Mill.DM in den Büchern stehen."500 Mill.DM", sagte Rupf, "wären ein schöner Preis für beide Institute."

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