Wirtschaft : Bankhaus Löbbecke stockt Risikovorsorge um 600 Mill.DM auf

Hauptgesellschafter Cariplo hilft mit Forderungsverzicht / Geschäftsvolumen rückläufig / Wertpapierhandel wieder nach Berlin geholt

Berlin (dr)."Wir haben unseren Ende 1995 eingeschlagenen Kurs der Konsolidierung konsequent fortgesetzt und stellen erste positive Ergebnisse der Umorientierung fest." Mit diesen Worten versuchte der persönlich haftende Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsleitung des Berliner Privatbankhauses Löbbecke & Co, Vittorio Foroni Lo Faro, auf der Bilanzpressekonferenz des Instituts Mut zu machen.Dennoch mußte auch er feststellen: "Der Bankenplatz Berlin ist ein schwieriges Kind".Und dies schlug sich auch in der Bilanz nieder.So wurde die Risikovorsorge der Bank im Berichtsjahr auf 793 Mill.(Vorjahr 183) Mill.DM angehoben.Eine so hohe Vorsorge sei nicht geplant gewesen, doch damit hätte man - mit wohl einmaliger Konsequenz - allen erkennbaren und latenten Risiken ausreichend Rechnung getragen, erläuterte Lo Faro.Diesen Kraftakt konnte Löbbecke allerdings nicht allein bewerkstelligen.Die Hauptgesellschafterin, die Cassa di Risparmio delle Provincie Lombarde (Cariplo), Mailand, die 77 Prozent am Kapital hält, mußte sage und schreibe 647 Mill.DM über einen Forderungsverzicht zuschießen.Die Bank Austria (22,5 Prozent) beteiligte sich nicht.Die Entwicklung schlug sich schließlich auch im Ergebnis nieder.Zwar kletterte das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge um 40 Prozent, unterm Strich wird aber ein magerer Jahresüberschuß von 524 000 (243 000) DM ausgewiesen.Der Bilanzgewinn erreichte 1,5 (1,0) Mill.DM. Die Mitarbeiter des Hauses hätten sich in den vergangenen eineinhalb Jahren viel um die Vergangenheitsbewältigung kümmern müssen, so Lo Faro.Nun sei jedoch der Punkt erreicht, an dem nur noch einige problematische Kredite abzuwickeln seien.Dabei ist das Geschäft im abgelaufenen Jahr schon um einiges vermindert worden.So ging das Kreditgeschäft netto auf rund 2,8 (3,2) Mrd.DM zurück.Die Bilanzsumme verminderte sich von 5,1 auf 4,9 Mrd.DM.Obwohl mit rund 56 Prozent der Hauptteil der Kredite immer noch auf den Immobilienbereich entfalle, mache sich die Neuorientierung auf das kommerzielle Kreditgeschäft zunehmend stärker bemerkbar, so Lo Faro.Stärkere Akzente seien im Berichtsjahr vor allem im Bereich des Auslandsgeschäfts und bei den Handelsaktivitäten gesetzt worden.Daneben seien die Voraussetzungen für eine marktgerechte Vermögensverwaltung geschaffen worden.Das erste Quartal hat immerhin vielversprechend begonnen.So wuchs das Handelsergebnis um 20 Prozent, die Kosten konnten um fast neun Prozent gesenkt werden.Das Ergebnis vor Risikovorsorge erhöhte sich um 60 Prozent, nach Risikovorsorge kletterte es auf 4,7 (minus 3,4) Mill.DM. Lo Faro betonte trotz der schwierigen Lage, am Standort werde man ein deutsches Bankhaus mit Sitz in Berlin bleiben.So sei beispielsweise der Wertpapierhandel des Instituts Anfang April von Frankfurt (Main) nach Berlin zurückverlagert worden.Berlin sei zwar kein Finanzplatz von internationalem Rang, doch werde die Stadt künftig für die Wirtschaft Deutschlands und Europas eine wichtige Rolle spielen.Der deutsche Markt sowie das aktuelle und zukünftige Umfeld Berlins seien für die Hauptgesellschafter von Bedeutung.

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